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Weltbild verkauft den SM-Roman "Shades of Grey - Geheimes Verlangen" zwar, warnt jedoch gleichzeitig davor

Doppelmoral: Verkauft wird es dennoch

Weltbild warnt vor Sex-Bestseller

München - Doppelmoral: Der Weltbild-Verlag warnt eindringlich vor "Shades of Grey". Trotzdem bietet er den Sado-Maso-Roman zum Kauf an. Es ist nicht das erste Mal, dass erotische Literatur Weltbild in die Bredoullie bringt.

Der Beschreibungs-Text zu "Shades of Grey - Geheimes Verlangen" auf der Weltbild-Homepage hat eine ungewöhnliche Botschaft: "Finger weg! Bitte nicht lesen!". Der Verlag nennt den Sensations-Roman aus den USA "umstritten". "Wir sehen das Buch als sehr problematisch an", steht da zu lesen. Und: "Die hier beschriebene Unterwerfung der Frau widerspricht dem Welt- und Menschenbild, von dem wir uns als Buchhändler leiten lassen." Angeblich werde diese Meinung "von vielen Leserinnen und Lesern" sowie von "Autorinnen und Autoren" und sogar "der professionellen Buchkritik" geteilt.

Während andere Verlage das Buch - wie allgemein üblich - mit positiven Rezensionen aus Zeitungen oder von Buchkritikern bewerben, listet Weltbild einen negativen Kommentar nach dem anderen auf. Hintergrund der ungewöhnlichen Produktwarnung ist die bischöfliche Stiftung, die hinter dem Weltbild-Verlag steht. Die Buchhandlungs-Kette Hugendubel gehört zum selben Konzern, und so findet sich auf der Website auch exakt die gleiche Warnung. Obwohl die kirchliche Stiftung das Buch ablehnt, will sie sich das Geschäft mit dem Bestseller, der in den USA sämtliche Verkaufsrekorde geknackt hat, nicht entgehen lassen.

"Belehrungen entbehren jeglichen Fundaments"

Aberwitzig wird diese Doppelmoral aber erst dadurch, dass auf dem Portal buecher.de, das ebenfalls zum selben Konzern wie Weltbild und Hugendubel gehört, jegliche kritische Einstufung von "Shades of Grey" fehlt. Stattdessen ist hier bei den Rezensionen folgendes Zitat aufgeführt: "Das Buch gilt nicht bloß als derzeit heißester Lesetipp für Frauen, sondern versetzt auch die angelsächsischen Medien in Auf- und Erregung, 'Fifty Shades of Grey' und die Folgebände sind derzeit ein Phänomen, wie es Ende der 1990er-Jahre die TV-Serie 'Sex and the City' war. In Onlineforen tauscht die Leserinnenschaft ihre Begeisterung aus, in Zeitungen und im Fernsehen gestehen Frauen, wie die Lektüre der Bondage-Bände die eigene Lust entfesselt."

Der Blog hugendubelverdi.blogspot.de, an dem unter anderem Gewerkschaftsmitglieder beteiligt sind, kommentiert die bizarre Aktion von Weltbild und Hugendubel mit diesen Worten: "Was sollen die Kund/innen denn von all dem halten? Widersprüche und Bigotterie fördern mit Sicherheit nicht die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens, das nun plötzlich so tut, als sei es - gemeinsam mit Alice Schwarzer und den Kardinälen - vor allem um Geradlinigkeit und das Seelenheil der Menschheit besorgt. Weder Vertrauen noch Kundenbindung sind auf diesem Wege zu bewerkstelligen. Denn solch hochtrabende moralische Belehrungen entbehren jeglichen Fundaments."

Es ist nicht das erste Mal, dass erotische Literatur den Weltbild-Verlag in eine Krise stürzt. Bereits 2011 haben katholische Bischöfe nach einem Skandal versucht, den Weltbild-Verlag abzustoßen. Dieser hatte für negative Schlagzeilen gesorgt, weil er in seinem Internetsortiment auch Bücher mit pornografischem Inhalt anbot. Das Lesen von Erotikliteratur passt jedoch nicht ins Weltbild der katholischen Kirche, die sich gegen die Verbreitung von Material erotischen oder pornografischen Inhalts ausspricht. Als Konsequenz des Skandals trat der Weltbild-Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Donaubauer damals von seinem Amt zurück.

Ganz ohne moralischen Zeigefinger und dazu noch völlig kostenlos können Sie das "Shades of Grey" als Hörspiel hier kostenlos herunterladen. Dazu einfach bei audible.de registrieren, ein Probe-Abo abschließen und den Bestseller anschließend downloaden.

pie/dpa

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