Shorts sind tabu

Kleiderordnung in der Mailänder Scala: - Italiener sind uns Teutonen eigentlich immer Vorbilder gewesen (nun ja leider: gewesen), was die Eleganz des Auftretens und den Geschmack der Kleidung angeht. Sie sind schließlich die Erfinder der "bella figura" und machten selbige auch bei 38 Grad im Schatten, wenn unsereins zu Matsch zerfloss.

 Alles nur Illusion, denn die Mailänder Scala, hehre, weltberühmte Stätte erlesenster Musikkultur, sieht sich derzeit gezwungen, eine Kleiderordnung festzulegen und auf die Rückseite der Eintrittskarten drucken zu lassen.

Münchens Nationaltheater übt keinen Zwang aus

Ist es vorstellbar, dass vergammelte Südländerhorden den sakrosankten Ort entweihten? Jedenfalls müssen sich ab jetzt Premieren-Männer in Krawatte und dunklen Anzug zwängen, und bei normalen Vorstellungen ist neben Sakko ebenfalls die Hals-Drangsal erforderlich.

Spannender wird es für die Frauen. Da heißt es nämlich, das Gewand müsse "im Einklang mit dem guten Ton des Theaters stehen". Ein sehr interpretationsbedürftiges Ansinnen: Entnimmt man der Kritik, dass das Orchester schlampig spielt und Sänger X saumäßig phrasiert, ist dann der ausgebeulte Trainingsanzug erlaubt oder sollte man als Mittelweg sozusagen aufs fast ausrangierte Kostüm zurückgreifen. Schwierige Zeiten für Mailänderinnen, zumal "diskrete Kontrollen" angedroht sind.

Scala-Intendant Stéphane Lissner verlangt Respekt für seine "historische Institution", und da geben ihm seine Kollegen von New York bis Berlin, von London bis München Recht. Ulrike Hessler vom Direktorium der Bayerischen Staatsoper will "keinesfalls Krawattenzwang" ausüben, "aber wir freuen uns, wenn unsere Besucher angemessen gekleidet sind". Shorts zum Beispiel wären inakzeptabel.

Eingeschritten sei sie schon einmal, erzählt Hessler, nachdem ein Mann im Trägerunterhemd im Parkett erspäht worden war. Der Logendiener habe ihn angesprochen, und der Gast habe in seinem Jackett, das aus der Garderobe geholt worden sei, die Vorstellung weiter genießen können. "Es muss eine Balance gefunden werden. Das Haus soll ja zugänglich sein, niemand darf abgeschreckt werden, weil er ein Abendkleid anziehen muss. Aber eine \x0fOper ist nun mal eine gewisse Besonderheit."

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Plattenfirma stoppt Zusammenarbeit mit Kollegah und Farid Bang
Nach dem Kollegah und Farid Bang einen Echo bekommen haben, stehen die beiden nun ohne Plattenfirma da. Das Musikunternehmen BMG stoppte die Zusammenarbeit mit den …
Plattenfirma stoppt Zusammenarbeit mit Kollegah und Farid Bang
 Der Bestseller
Tolle  Leihgaben - Im Bayerischen Nationalmuseum  ist erstmals eine umfassende  Schau zum Werk des  spätmittelalterlichen Münchner  Bildhauers Erasmus Grasser zu sehen
 Der Bestseller
Werden viele junge Erwachsene nun traurig sein? Die „Neon“ gibt‘s schon bald nicht mehr
Der Hamburger Verlag Gruner + Jahr stellt nach 15 Jahren sein Magazin „Neon“ ein. Das Heft erscheint am 18. Juni zum letzten Mal.
Werden viele junge Erwachsene nun traurig sein? Die „Neon“ gibt‘s schon bald nicht mehr
Markgräfliches Opernhaus Bayreuth: Die Wilhelmine-Silja-Show
Gut 29 Millionen hat die Sanierung des Markgräflichen Opernhauses Bayreuth gekostet. Die Investition hat sich gelohnt: Das weltweit schönste Barocktheater kann wieder …
Markgräfliches Opernhaus Bayreuth: Die Wilhelmine-Silja-Show

Kommentare