Der sibirische Bajuware: Franz Marc in Kochel

Kochel am See - Zwischen Naturforschung und Weltkrieg: Das Ausstellungsprogramm des Franz-Marc-Museums in Kochel am See

„Sibirisch-bajuwarische Marterlplakate“ habe Max Beckmann die Gemäldes des Kollegen Franz Marc genannt. Nina Peter, Expertin für Beckmann, merkte schmunzelnd an, dass dieser Herr gerade durch seine Beleidigung nun zu einer Ausstellung im Franz-Marc-Museum in Kochel am See komme. 1912 hatten sich die Künstler in der Zeitschrift „Pan“ einen „öffentlichen Schlagabtausch“ geliefert, wie Museums-Direktorin Cathrin Klingsöhr-Leroy bei der Jahrespressekonferenz erzählte. Marc sei auf der Suche nach der Idee hinter den Dingen gewesen; Beckmann wollte „den sinnlichen Schein der Dinge erfassen“. Wie intim das bei seinen „Kleinen Stillleben“, so der Titel der Ausstellung, werden kann, dürfen die Besucher ab 16. Juni genießen.

Zuvor gibt es jedoch eine große und eine kleine Frühjahrs-Schau, die jeweils den Hausheiligen Marc in den Mittelpunkt stellt. Ab 10. März läuft „Struktur und Natur – Franz Marc und Per Kirkeby“. Dabei wird mit Unterstützung der Staatlichen Graphischen Sammlung München fast das gesamte grafische Schaffen Marcs zu sehen sein, inklusive der Druckstöcke. Den Bayern und den Dänen, der unser Zeitgenosse ist, verbindet, so Klingsöhr-Leroy, dass sie „den untergründigen Rhythmus der Natur“ ausforschen und darstellen möchten. Die Kunsthistorikerin betont, dass mit solchen Gegenüberstellungen auch immer ein neuer Blick auf die eigene Sammlung möglich werde. Die Kabinettausstellung beleuchtet ab 21. März die Vorarbeit zu dem „Großen Blauen Pferd“ des Lenbachhauses. Kochel schildert mit einer einmalig genauen Vorstudie, wie das berühmte Münchner Werk entstand. Natürlich werden dazu noch weitere Marc-Pferdl herangaloppieren.

Mit Blick auf 2014, wenn sich also der Beginn des Ersten Weltkriegs zum hundertsten Mal jährt und damit der Untergang des „Blauen Reiters“, ist die Herbstausstellung konzipiert. „1913: Bilder vor der Apokalypse“ wird in Zusammenhang mit Florian Illies Roman „1913“ entstehen (ab 13. Oktober). Inwieweit der Betrachter wirklich aus den Bildern des Zeitraums von 1912 bis 1914 das Zusammentreffen des ganz normalen Lebens mit einer unterschwelligen Spannung herauszulesen vermag, wird man dann überprüfen können. Werke von Marc, Heckel, Klee oder Meidner sollen das belegen.

Neben diesen Sonderausstellungen wird naturgemäß die Sammlung des Privatmuseums weiter gepflegt: mit besonderen Präsentationen wie zurzeit „Abstraktion von Marc bis Matisse“ oder „Eine neue Natürlichkeit“, die sich der „Brücke“-Gruppe widmet; mit Ankäufen wie der charmanten Ölskizze „Rapallo“ (1906) von Wassily Kandinsky; mit vielen hochkarätigen Dauerleihgaben von Privatsammlern, die dem Marc-Museum vertrauen. Derartige Funde inspirieren schließlich zu neuen Ausstellungen.

Das Museum wirbt mit einer besonderen Verbindung von Kunst und Natur – und die bezaubert besonders auch im Winter. Kulinarisch abgesichert ist der Genießer dort obendrein. Übrigens gibt’s ab Februar einen neuen Restaurant-Pächter.

Simone Dattenberger

Franz-Marc-Museum

Franz-Marc-Park 8-10 (Straße Richtung Kesselberg/Walchensee), geöffnet Di.-So. von November bis März 10 bis 17 Uhr, dann bis 18 Uhr; Eintritt regulär: 8,50 Euro; 08851/92 48 80

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