Da tut sich der Himmel auf

- Sie ist eine Makellose. Nur ein winziger schräg angetippter Ton erinnerte daran, dass auch Hilary Hahn eine Irdische ist. Wenn sie spielt, so wie am Montag in der Münchner Philharmonie, dann tut sich der Himmel auf, und das Publikum erlebt höchste vorweihnachtliche Geigen-Freuden. So ungetrübt, so kristallklar und dabei so musikalisch und lebendig, dass sich sogar in der Hustensaison atemlose Stille einstellen kann.

Die 26-Jährige entführte ihre Münchner Fans zunächst einmal in neuere Zeiten, zu Eugene Ysaye und George Enescu. Mit wunderbar singendem, vollem, noch im zartesten Pianissimo tragfähigen Ton verströmte sie in endlosem Legato die große Ruhe des eröffnenden Grave der g-moll-Sonate von Ysaye. Ebenmäßige Schönheit, Eleganz und eine klar strukturierte musikalische Linie prägen ihre Interpretation, die ihre Technik nebensächlich erscheinen lassen. Man staunt nur über die Musik, nicht über das Handwerk.

In Enescus Sonate Nr. 3 op. 25 in a-moll faszinierte sie zusammen mit Natalie Zhu am Klavier durch reizvolle Licht- und Farbspiele. Dabei kosteten die beiden jungen Damen den folkloristischen Ton, die synkopierte Rhythmik im Finale oder auch den bezaubernd exotischen Tonfall des Andante mit Pianissimo-Finessen und hochsensibler Motorik aus. Nicht zigeunerisch-draufgängerisch, sondern geprägt von edler Noblesse.

Mit Milsteins Paganini-Variationen reihte sie sich würdig in die große Virtuosen-Tradition ein und spielte die "Paganiniana" beim zweiten Mal (als Zugabe) noch intensiver, noch sensibler, noch makelloser. Mozarts zweisätzige, spielerisch-delikate G-Dur-Sonate atmete Heiterkeit, lebte aus wunderbar abschattierten Eintrübungen und einer sensibel ausgeleuchteten Binnenspannung.

Überirdisch schön klang das Adagio aus Beethovens Es-Dur-Sonate Nr. 3 op. 12, wobei man sich das Klavier eine Spur feinnerviger gewünscht hätte. Mit Schwung "hüpften" die beiden durchs abschließende Rondo. Ein nachgereichter Prokofjew-Marsch (aus "Liebe zu den drei Orangen") und ein hinreißender Albeniz aus Kreislers Hand ließen das begeisterte Publikum nicht weichen.

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