Sich trimmen für die freie Wildbahn

- Es ist eine Frage der Vernunft. "Die Theater befinden sich in einer schwierigen Lage, sie sparen und sparen, sie sparen manchmal gleich eine ganze Sparte weg, doch die Kosten steigen weiter." Also machte sich der mit allen Intendantenwassern gewaschene, alte Theaterhase Hellmuth Matiasek, Präsident der Bayerischen Theaterakademie, dies zu Nutze und ergriff die Initiative. Das Zauberwort heißt Koproduktion.

<P>Und so wird die Akademie bei einzelnen Projekten mit den Theatern in Erfurt und Ingolstadt eng zusammenarbeiten. Im Münchner Prinzregententheater wurden gestern die entsprechenden Verträge zwischen Matiasek, dem Erfurter Intendanten Guy Montavon und dem Ingolstädter Bühnenchef Peter Rein unterzeichnet.</P><P>Jeder Partner soll hier profitieren. Zunächst die Bühne in Thüringen. Erfurt, ehemals ein Drei-Sparten-Theater, sorgte unter seinem neuen Intendanten Montavon bereits im Vorfeld seines Amtsantritts für negative Schlagzeilen. Denn ohne Widerstand hat sich der Mann aus der Schweiz von den Politikern das Schauspiel schließen lassen; wohl in der Hoffnung, sein Schweizer Kollege von nebenan, Stephan Märki vom Nationaltheater Weimar, würde an seinem Haus das Gleiche mit der Oper tun.</P><P>Doch während der eine, Märki, kämpfte und widerstand, mit Erfolg, kann der andere, Montavon, in Erfurt zwar im September einen Theaterneubau eröffnen - "das Haus ist groß, das Haus ist teuer, deswegen mussten wir uns von einer Sparte trennen" -, aber es künstlerisch zu füllen, fehlt das Geld. Montavon: "Unser Schwerpunkt ist das Musiktheater. Doch ist es uns unmöglich, das Personal zum Beispiel fürs Musical fest zu engagieren.</P><P>Matiasek hilft, und auch ihm ist damit geholfen: Wenn am 18. März im Münchner Prinzregententheater das Musical "City of Angels" von Cy Coleman Premiere hat, ist daran auch finanziell und werkstättenmäßig Erfurt beteiligt; denn nach sechs Vorstellungen in München ist diese Koproduktion ab 20. Dezember in Thüringen zu sehen. Die jungen Darsteller werden per Gastvertrag "entlohnt" und so gleich darauf getrimmt, sich in freier Wildbahn herumzuschlagen.</P><P>Die zweite Koproduktion der Bayerischen Theaterakademie betrifft Ingolstadt, dessen Intendant Peter Rein nur Schauspiel zu bieten hat. Seit 1966 werden Gastspiele von Musiktheater-Produktionen fürs Abonnement einkauft. Diesmal also wird es Mozarts "Figaro" sein, den Christian Pöppelreiter mit den jungen Sängern der Theaterakademie erarbeitet. Die Premiere im Münchner Prinzregententheater ist am 26. Juni, ab 11. Oktober ist die Aufführung in Ingolstadt zu sehen. Es spielt an beiden Orten das in der Donaustadt ansässige Georgische Kammerorchester.<BR>Ansonsten betont Intendant Rein, wie wichtig es doch für sein Haus sei, in der Stadt stark verwurzelt zu sein, dort seine Identität zu suchen; das heißt, dass die Bürger "ihre Künstler am Ort haben, dass sie sie kennen. Das reine Gastierwesen halte ich nicht für allein selig machend."<BR></P>

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