"Sichern, säubern, sanft ergänzen"

Sanierung des Cuvilliéstheaters: - In einem Jahr, am 14. Juni, wird es mit Mozarts "Idomeneo" wiedereröffnet. Die Renovierung des Cuvilliéstheaters schreitet derzeit mit großen Schritten voran.

Ordentlich aufgeräumt hatten gestern die Arbeiter im Münchner Cuvilliéstheater, soweit das auf einer Baustelle überhaupt möglich ist. "Da ist die Begehung ja schon zu etwas nütze", witzelte der für die Staatliche Schlösserverwaltung zuständige Finanzminister Kurt Faltlhauser, wohl wissend, dass jede Verzögerung den Zeitplan strapazieren kann. Andererseits konnte bei dieser Besichtigung stolz vermeldet werden, dass man voll im Kosten- und Zeitrahmen liege. Denn schon in einem Jahr, am 14. Juni 2008, 50 Jahre nach der Wiedereröffnung nach dem Krieg, soll das restaurierte Rokoko-Kleinod festlich in Betrieb genommen werden: mit der von Dieter Dorn inszenierten Mozart-Oper "Idomeneo", die hier ihre Uraufführung erlebte.

Staubwischen und Feinmontage

Doch trotz aller kurzfristigen Aufräumbemühungen: Noch zieren hauptsächlich Schnecken von Elektrokabeln und Kreationen aus Plastikfolie und Spanplatten Decken und Wände der Foyers anstelle von feinen Ornamenten. Der aktuelle Stand der Arbeiten: Der fast vollständig neu gestaltete Bühnenturm ist zu 90 Prozent fertig und bereits vom TÜV abgenommen worden. Der Hof, der seit Herbst durch ein filigranes Glasdach zum Innenraum wurde, hat noch die Hälfte der Arbeiten vor sich. Er wird übrigens zu Ehren des Comité Cuvilliés, das mittels privater Spenden die Sanierung unterstützt, Comité-Hof heißen. Die neuen technischen Anlagen für Bühne, Heizung, Lüftung, Klima, Sanitärbereiche und Elektronik harren noch der Feinmontage.

Die neue, dem Original nachempfundene Bestuhlung fehlt ebenfalls noch. Denn im prachtvollen historischen Zuschauerraum stehen nach sorgfältiger Restaurierung noch 20 Prozent der Arbeiten an, wozu vermutlich Staubwischen gehört, damit die vom Schmutz der Jahrzehnte gereinigten Rokoko-Dekorationen zur Geltung kommen.

24,5 Millionen Euro wird das alles kosten, wobei Faltlhauser einmal mehr das "20-Prozent-Modell" lobt. Allein fünf Millionen Euro nämlich schießen das Comité Cuvilliés und die Siemens Kulturstiftung zu. "Den Großteil der Baukosten wird man nicht sehen, und das ist Absicht", sagt Mathias Pfeil, der Leiter der Bauabteilung der Schlösserverwaltung. "Das Theater soll nicht zu Tode saniert werden. Alterungsspuren soll man sehen." So lautet denn die Devise: "Sichern, säubern, sanft ergänzen." Deutlich wird sie etwa an den Vergoldungen, mit denen abgegriffene Stellen ausgebessert werden. Eine weiße Paste nimmt derzeit dem frischen Gold den Glanz, damit es sich an die alten, gesäuberten Vergoldungen anpasst. Die rosa Wandbespannungen der Logen, 1958 in Lyon nach den Originalen aus Seidendamast gefertigt, wurden ebenfalls gereinigt. Die historischen gelben Bespannungen für die Logenumgänge kommen in neuer Ausführung dazu.

Neue Technik im alten Raum

Vor allem die Technik erfordert einen Spagat: "Es gilt, die Anlagen von heute in einem Raum von 1755 unterzubringen." So werden ein Projektionsgerät hinter der Königsloge und neue Lautsprecher hinter Klappen in den Logen versteckt. Der besondere Clou sind zwei speziell fürs Theater angefertigte Beleuchtungsgestelle, die in einem Raum hinter dem Proszenium verborgen sind und zu Beginn der Aufführung hervorschwenken können.

Allzu viele Opern wird man im Licht dieser raffinierten Anlagen allerdings nicht zu sehen bekommen. Nur eine pro Jahr ist geplant, sonst rechnet sich bei 520 Plätzen die teure Musiktheaterproduktion nicht. Hauptsächlich wird das Staatsschauspiel das Haus nutzen, weshalb es dessen Intendant Dieter Dorn untersteht. Der nun überdachte Comité-Hof mit seiner zierlichen Balustrade könnte für Konzerte zur Verfügung stehen, aber auch für Empfänge. Darauf ist Faltlhauser besonders stolz: "Das wird sensationell", sagt er mit kritischem Seitenblick auf die Probebemalung. Sie ist noch etwas sehr Erdbeereis-farben.

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