Sieh dir mal dein Land an

- Der Flügel links, der Stehtisch rechts und vor dem einen oder anderen der Herr in Schwarz, und zwar jener, welcher mit seinem Kabarettprogramm "Glücklich in Deutschland" den Schwarzsehern ein Lichtlein aufgehen lassen möchte. Doch: "Wie mache ich einen Menschen glücklich?", fragt sich Lars Reichow in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft.

Seine Methode: in hämmernder Wiederholung die unterschiedlichen Stereotype des Miesmachers vor Augen führen. Im Angebot: der Deutsche im Ausland, in der Ehe oder im Großunternehmen. Zugegeben, der Spießbürger und Jammerer ist ein ziemlich abgegrastes Kabarett-Terrain, ebenso wie der Dialog, der mit dem Satz "Schatz, an was denkst du gerade?" beginnt. Oder Reichows Glücklich-werd-Rezept für den Mann, das meist im Bierkonsum endet.

Am Klavier wird es melancholisch

Dennoch lässt sich trefflich lachen, wenn des Komödianten Bilderwelt mit Wortwitz und Klanguntermalung eingefangen wird. Da erscheint vor dem inneren Auge der samstägliche Jogginganzugträger und Freizeitbastler, wie er selig das Schraubensortiment im Baumarkt prüft und dann mal eben Holz nach Schätzwerten zuschneiden lässt.

Wie sich mit Anglizismen und dem Thema Kundenkarte lachen lässt, zeigt Reichows Beispiel "Q-Card mit Interruption-Funktion und Closed-Shop Betreuung, gegebenenfalls auch in Premium-Premium-Ausführung, um das Factory-Kotelett zu erstehen".

Doch Obacht, wenn der Kabarettist zum Flügel schreitet und es musikalisch wird. Denn in diesen Momenten wird die Stimmung bisweilen melancholisch. Da trifft der Arbeitslose auf die personifizierte Arbeit, die ihn nicht haben will, oder der Sänger fordert beinahe resigniert auf: "Sieh dir mal dein Land an. Warum nimmst du immer alles schwer?" Die Komik verbündet sich hier mit einer Prise Tragik, um den Kampf gegen den Pessimismus anzutreten.

Bis morgen, Beginn: 20 Uhr, Tel. 089/ 39 19 97.

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