Sieht ziemlich alt aus

- Das ist doch wieder das Schöne daran: Die Premieren in der Reihe Young Directors Project bei den Salzburger Festspielen fallen aus dem Rahmen. Sie ereignen sich jenseits der teuren Eleganz und üppigen Opulenz, jenseits der so genannten Hochkultur. Dieses Young Directors Project fördert, gut subventioniert von der Firma Montblanc, junge Regisseure, bietet ihnen die Möglichkeit, sich und ihr Ensemble auf diesem Top-Platz der internationalen Festivalszene zu präsentieren.

<P>Nach den "Fünf Goldringen", der Koproduktion mit den Münchner Kammerspielen in der Regie von Christiane Pohle, stellte sich nun eine Gruppe aus Chile im Stadtkino/ Republic vor: die Compania La Puerta. Regisseur Luis Ureta hatte ein Stück seines deutschen Kollegen Falk Richter gewählt: "Electronic City". Und das ist der Makel dieses Unternehmens.</P><P>Nicht weil das Stück so schlecht wäre, das über die örtliche, zeitliche und gefühlsmäßige Orientierungslosigkeit eines Global Players lamentiert. Eines Mannes, der weder die überall in der Welt gleich aussehenden Hotels und Flughäfen auseinander halten kann, noch Wirklichkeit und Spiel. Ein Dasein zwischen Comic, Video-Clip und TV. Oder ist das Leben etwa ein Film, der gerade gedreht wird?</P><P>Die öden Hotelpornos</P><P>Die Fragwürdigkeit dieses Projekts aus Chile liegt nicht an den Chilenen, sondern in der Absage des Theaters aus Finnland, das ursprünglich in Salzburg mit "Hamlet" seine Aufwartung machen sollte. Das aber platzte. Was nun? Da wusste Falk Richter, der Regisseur der Festspiel-"Möwe", Rat. Finanziert vom Goethe-Institut, werde gerade in Santiago ein kleines Stück von ihm gespielt . . . So also mag dieses Gastspiel, das stark an engagiertes Studententheater erinnert, zustande gekommen sein. Und das Young Project sieht damit ziemlich alt aus. Eine Entdeckung, die der Zuschauer im vergangenen Jahr etwa bei dem phänomenalen "Revisor" aus Riga machen konnte, ist hier nicht zu verzeichnen.</P><P>An einem Konferenztisch nehmen fünf Sprecher Platz, reden über den, um den es gleich eine Stunde lang gehen wird: Tom (André´s Velasco), den von Konferenz zu Konferenz jettenden Manager, den total vernetzten und Zahlen-codierten Menschen, der zunächst per Video zum Publikum zugeschaltet wird -auf öden Hotelfluren, vor noch öderen Hotel-TV-Pornoprogrammen oder bei der Personenkontrolle am Terminal. Ein Gesicht, gezeichnet von Nervosität, Druck und Angst. "Ich kann nicht mehr" - und er tritt leibhaftig auf die Bühne, auf der jetzt erst recht die Ebenen von Realem und Irrealem durcheinender wirbeln. Am Ende rettet ihn - vielleicht - nur eines: die Liebe zu Joy, einem Kassenmädchen vom Airport-Shop.</P><P>Das Ganze ist hier nur eine Art szenische Lesung, forciert durch diese tempogeladenen, jungen Darsteller. Die Frage aber ist: Was wollte die Truppe aus Santiago mit diesem Stück, das doch nicht mehr ist als eine dramaturgische Fingerübung eines ambitionierten, auch schreibenden Regisseurs? Am 11. und 12. August kommt das Freie Theater (Teatre Lliure) aus Barcelona nach Salzburg - mit der "Heiligen Johanna der Schlachthöfe" von Bertolt Brecht. Da könnte es spannend werden.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Hamlet ist Richter und Henker“
München - Gleich zum Auftakt des Jahres lassen es die Münchner Theater krachen. Wenige Tage nach „Macbeth“ am Residenztheater folgt in den Kammerspielen ein weiterer …
„Hamlet ist Richter und Henker“
Die Fantastischen Vier in der Oly-Halle: Mit fantastischen Grüßen
München - Wer das Wort „fantastisch“ im Namen führt und auszieht, sein Best-of unters Volk zu bringen, der hängt die Messlatte hoch. Die Fantastischen Vier erfüllen den …
Die Fantastischen Vier in der Oly-Halle: Mit fantastischen Grüßen
Im Reich von Mode und Magie
Zürich - Spätestens seit dem Terroristen-Epos „Carlos“ ist der französische Filmemacher Olivier Assayas auch deutschen Kinofans ein Begriff. Sein preisgekröntes Drama …
Im Reich von Mode und Magie
Mordmotor mit Unwucht
Andreas Kriegenburg inszenierte William Shakespeares „Macbeth“ fürs Münchner Residenztheater
Mordmotor mit Unwucht

Kommentare