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Abgeriegelt für die Staatenlenker: In Oswalds Roman „Unter Feinden“ wurde der Bayerische Hof zum „Wittelsbacher Hof“.

SIKO-Thriller: Volksaufstand im Westend

München - Georg M. Oswalds fast unerträglich spannender Thriller „Unter Feinden“ spielt im Umfeld der Sicherheitskonferenz. Das Buch lebt von Überraschungen und beleuchtet auch eine dunkle Seite Münchens. Ein Gespräch:

Georg M. Oswald stochert in seinem Lachsforellen-Tartar herum. Aber er kommt kaum zum Essen. So viel hat der erfolgreiche Münchner Autor („Alles, was zählt“) und hauptberufliche Rechtsanwalt über seinen jüngsten Roman zu sagen. „Unter Feinden“ heißt das Buch, für das Oswald ein brisantes Setting wählte: Die Münchner Sicherheitskonferenz, die alljährlich im Nobelhotel Bayerischer Hof stattfindet (der im Roman „Wittelsbacher Hof“ heißt) und Staatenlenker aus aller Welt versammelt – heuer wieder ab 3. Februar.

Gleichzeitig leuchtet die Story aber auch die dunklen Niederungen der Gesellschaft aus, das Milieu der „Arabs“, dealender Jugendlicher mit „Migrationshintergrund“, die im weniger noblen Münchner Westend aktiv sind. Und beide Sphären haben mehr miteinander zu tun, als man zunächst vermutet. Aber Oswalds fast unerträglich spannender Thriller lebt ja ohnehin von Überraschungen: Da wird etwa eine Art Volksaufstand geschildert, den man im saturierten München eigentlich kaum für möglich hält.

Trotzdem glaubt der Autor nicht, dass ihm diesbezüglich die dichterische Fantasie durchgegangen ist. „Ich habe bei den Recherchen für das Buch viel mit Polizisten gesprochen, etwa auch mit dem stellvertretenden Leiter der Münchner Mordkommission“, erzählt Oswald bei einem Essen im kleinen Kreis, das – wo sonst? – im Bayerischen Hof stattfindet. Von den Ermittlern habe er gelernt, nichts für unmöglich zu halten. „Eskalation kann es überall geben, auch in München“, meint Oswald und schneidet entschlossen in sein blutrotes „Galicisches Rinderfilet mit Rotwein-Schalottensauce“ hinein. „Schließlich fanden hier die Schwabinger Krawalle statt, sechs Jahre vor 1968. Und in den Achtzigern hat es zahlreiche besetzte Häuser in München gegeben, sogar nahe der Maximilianstraße, das weiß nur niemand mehr.“

Dass die Hauptfiguren, zwei Kommissare, von denen einer sogar drogensüchtig ist, nicht sehr gesetzeskonform handeln, hält der Autor hingegen nicht für München-spezifisch: „Korrupte Polizisten gibt es überall, von Los Angeles bis Hessen.“ München habe er einfach deshalb als Schauplatz gewählt, weil er sich da am besten auskenne, behauptet Oswald bescheiden. Aber ganz stimmt das natürlich nicht. Denn noch etwas war dem Dichter-Juristen wichtig, der in Jeans und mit legerem Pullover nicht gerade so aussieht, wie man sich einen Anwalt mit eigener Kanzlei in Innenstadt-Lage vorstellt: „Ich musste einfach das klischeehafte Schicki-Micki-München-Bild konterkarieren, das durch Filme wie ,Rossini‘ oder ,Kir Royal‘ geprägt wurde.“ Diese Serien seien natürlich satirisch gemeint gewesen, „und wir Ortsansässigen haben die Ironie auch sofort verstanden. Aber im Rest Deutschlands glaubte man, München sei wirklich so.“

Einen ganz anderen weit verbreiteten Irrtum möchte Oswald zum Schluss aber doch noch ausräumen: Ein entspannender Ausgleich zur trockenen Juristentätigkeit sei das Schreiben bei ihm nicht. „Dafür ist es viel zu anstrengend“, meint er und nimmt zur Bekräftigung einen Schluck von dem 2010er-Merlot-Corvina – der übrigens wirklich exzellent war. Hingegen hatte sich der Küchenchef des „Garden“ mental offenbar schon auf die Sicherheitskonferenz eingestellt und war in Sachen Geschmack ganz auf Nummer sicher gegangen. Dabei hätte ein bisschen mehr Ausdruck und Esprit dem Essen nicht geschadet...

Von Alexander Altmann

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