Silikon rein, Geist raus

- "Kann ich mich darüber aufregen! So'n Hals hab' ich über die." Na endlich! Endlich regt sich mal jemand auf über die Kammerspiele. Wenn's auch nur künstlich - nicht zu verwechseln mit künstlerisch - ist. Wenn's auch lustig sein soll und ein bisschen ironisch, was die sechs Schauspieler in insgesamt 70 Minuten hier im Werkraum produzieren.

<P>Am Ende jedenfalls markieren sie die Doofen und singen in traniger Coolness "Sorgen, wir machen uns Sorgen". Zum Beispiel um die Rente, den Zahnersatz oder die Schuhmode - und um die Dramaturgie des Hauses. Um die sich mancher außerhalb des Theaters allerdings schon seit längerem sorgt. Aber warum eigentlich nur um die Dramaturgie? Der Intendant ist schließlich auch nicht blöd und trägt irgendwie doch Verantwortung für dieses Betriebsfeiern-Programm, das er keck als Premiere deklariert. Der Titel der szenisch arrangierten Zitatensammlung von Frederic Beigbeder bis Roland Schimmelpfennig, von Søren Kierkegaard bis David Foster Wallace: "Karoshi. Tod durch Überarbeitung". Das Ding könnte genauso heißen: "Sechs Personen suchen einen Autor" - oder: ein besseres Theater. Der kritische Sinn soll folgender sein: Vier Männer und zwei Frauen im gediegenen Luxus à` la Maximilianstraße fragen nach der eigenen Attraktivität und demonstrieren ihre Statussymbole: "mein Haus, mein Auto, mein Boot", man ist schließlich wer; Brustbehaarung und Nabelschau, Facelifting und Schenkelkorrektur, Silikon rein, Geist raus. Da gibt's wenig zu lachen, noch weniger zu denken.</P><P>Höchstens etwas zu staunen darüber, wie Schauspieler sich einerseits jeder Banalität beugen (müssen), was sie mit Dezenz tun, und wie es andererseits Hildegard Schmahl dabei gelingt, mit Charme, Professionalität und Imagination jenes szenische Nichts zu unterlaufen. Als würde es an diesem Übungsabend um irgendetwas gehen.</P><P>Die Premiere fand übrigens im Rahmen des so genannten Armut-Wochenendes der Münchner Kammerspiele statt. Nicht ganz unpassend. Ein Armutszeugnis.</P>

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