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Das Wiener Neujahrskonzert hat Mariss Jansons schon zweimal absolviert, ein Münchner Silvesterkonzert war neu für ihn.

PREMIERE IN MÜNCHEN

Silvesterkonzert des BR-Symphonieorchesters: Jagd durch die Hitparade

  • Markus Thiel
    vonMarkus Thiel
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Erstmals bestreitet das BR-Symphonieorchester den Jahresausklang der ARD - mit einer Art Edel-Kurkonzert. Die Kritik.

München - Die beste Nachricht zuerst: Der Mann aus Reihe eins hat sie wieder. Beide Manschettenknöpfe, um die er zuvor in einer Rettungsaktion vom Moderator gebeten wurde. Thomas Gottschalk, mit offenen Hemdsärmeln zehn Minuten vor Beginn der Live-Übertragung auf der Herkulessaal-Bühne, das schmeckt nach prähistorischen „Wetten, dass...?“-Zeiten, als der Chef stets selbst das Warm-up übernahm. Der Gag mit dem hilflosen Entertainer und der fehlerhaften Kleidung ist mutmaßlich abgekartet, macht aber Laune.

Überhaupt passt die Herbstblondine ausgezeichnet ins ARD-Silvesterkonzert, besser als tags zuvor der nicht nur hüftsteife Sky du Mont in der ZDF-Konkurrenzveranstaltung. Gottschalk kann auch seriös witzeln. Und dass er – wie vor der „Candide“-Ouvertüre mal eben eingeworfen – aus derselben Generation wie Lenny Bernstein, Jahrgang 1918, stammt, glaubt man gern. Das Programm, erstmals vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit Mariss Jansons bestritten, verlangt nach einem Magenbitter. Eine wilde Jagd durch die Häppchen-Hitparade. Was nicht zusammenpasst, wird zusammengezwungen.

Dabei ist (fast) alles astreine Jansons-Kost. Wer die BR-Symphoniker auf Tournee erlebt hat, begreift: Ihre üblichen Zugaben sind erstmals abendfüllend zu erleben. Aber, und das erhebt die 90 Minuten übers Kurkonzert hinaus, so funkelnd und im Doppelsinne gewienert wie aus der Schmuckschatulle. Im „Valse triste“ von Sibelius etwa wird die hohe Schule der Streicher-Homogenität vorgeführt, Dvořáks 15. Slawischer Tanz zündet wie parallel geschaltete Feuerwerks-Batterien, Brahms’ fünfter Ungarischer Tanz funktioniert auch als Terminator-Version.

Mit Lang Lang in die Kitschregion

Manches driftet in die Kitschregion. Nicht am Blau- und Rotlicht liegt es, das aus der Aussegnungshalle Herkulessaal ein TV-Studio zaubern will, sondern zum Beispiel an Debussys „Clair de Lune“ in einem adipösen Arrangement von Leopold Stokowski und an einem weiteren Star. Lang Lang steuert zwei langsame Klavierkonzert-Sätze bei. Das Andante aus Mozarts KV 467 plus das Adagio aus dem „Yellow River Concerto“ von Xian Xinghau (1905-1945), und man weiß nicht, ob das Hineinkriechen in kleinste Musikverästelungen ehrlich empfunden ist oder nur Pose.

Eigentlich war Lang Lang auch fürs Vorkonzert am 30. Dezember vorgesehen. Nachdem der Chinese nur zum Jahreswechsel auftreten mochte, ließ er sich zuvor vom Südkoreaner Seong-Jin Cho vertreten. Warum überhaupt ein (teurer) Solist gebraucht wurde, erschließt sich nach Genuss des Abends nicht. Und Lang Langs Zugabe, Chopins Grand Valse brillante, zeigt: So ganz ist er nach seiner Zwangspause noch nicht auf dem Damm.

Auch Jansons, im Sommer von einer gefährlichen Virus-Infektion heimgesucht, vertraut manchmal mit lässigem Schlag auf sein Edel-Orchester. Der Instrumentalvirtuose, eine schöne, bezeichnende Wendung, ist nicht eingekauft, sondern hauseigen: Konzertmeister Anton Barakhovsky holt sich nach Ligetis „Concert românesc“ berechtigten Jubel ab. Die Abmoderation kommt noch zur regulären Sendezeit. Pünktlichkeit unter Zwang – Gottschalk musste weiter zur Bayern-1-Silvesterparty.

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