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Umjubelte Aufführung im Herkulessaal mit (v.li.) Simon Rattle, Eva-Maria Westbroek und Stuart Skelton.

Simon Rattles Münchner „Walküre“: Zu allem entschlossen

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Mit seinen Berlinern lieferte er in Sachen Wagner seinerzeit nur Achtbares. Simon Rattles konzertante Münchner „Walküre“ im Rahmen des Merkur-Konzertabos klingt nun wie ein Befreiungsschlag.

München - Über ein Jahrzehnt ist das her, da war das Murren besonders laut. Der Mann könne einfach nicht mit der Romantik, erst recht nicht mit Wagner, dazu der angebliche Verrat am „deutschen Klang“ seiner Berliner Philharmoniker (was nach Kultur-Pegida tönt), man höre nur Brahms, Bruckner oder den „Ring des Nibelungen“. Simon Rattle hat es schwer gehabt in der Hauptstadt, von der er sich – allerdings nur beruflich – gelöst hat. Seine Aufführungen der Wagner-Tetralogie in Aix, Salzburg und Berlin samt CD-Mitschnitt waren tatsächlich nicht Spitze, auch sängerbedingt. 

Und nun das, dieser Befreiungsschlag. Vor drei Jahren, beim konzertanten „Rheingold“ mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, kündigte sich das an. Die „Walküre“ setzt im Rahmen des Merkur-Konzertabos noch mindestens eins drauf – es ist Rattles wohl bisher bestes Dirigat in München. Wild Entschlossene haben sich da im Herkulessaal vereint. Der britische Sir mit einer Lesart, die sich anders als sonst nicht im begeisterten Ausstellen von Details erschöpft, sondern Tiefe, Reflexion hat und die vier Stunden zur monumentalen Kammermusik rundet. Auf der anderen Seite die BR-Symphoniker, die sich offenbar für diesen Abend vorgenommen haben, das weltbeste Opernorchester sein zu wollen. 

Nicht alle Sänger können da mithalten

Extreme Ausschläge kennt man von Rattle. Das Vorspiel überfährt einen fast mit seiner scharf umrissenen Motorik. Manches bewegt sich später an der Unhörbarkeitsschwelle, anderes unterzieht den Saal einem Architekturtest. Zaubermomente geschehen. Die Bläser-Streicher-Korrespondenzen vor Hundings Auftritt, die Gänsehaut hervorrufenden, orgelähnlichen Mixturen in Sieglindes Monolog, die auskomponierte Leere in der „Todverkündigung“, die sich allmählich aufhellt, die satten, großen Bögen am Ende mit dem betont kalten Feuerfunkeln: Rattles „Walküre“ ist delikater, ausgehörter, wagemutiger als mit den Berlinern, auch geschmäcklerischer, wenn er manche Stellen nicht loslassen will, darin ist dieser Lustmusiker dem sonst so ungleichen Christian Thielemann ziemlich ähnlich. 

Nicht alle Sänger können hier mithalten, obgleich ihnen Rattle Liedhaftes ermöglicht. James Rutherford, für Michael Volle eingesprungen, ist ein Wotan ohne Giga-Stimme, was aber nichts macht. Seine Prägnanz, die fokussierte Tongebung und Textklarheit, dazu das kernige, attraktive Timbre heben ihn ab von vielen Fachkollegen. Stuart Skelton singt den Siegmund mit dunklem Helden-Erz und geschmeidigen, überlangen Phrasen. Eva-Maria Westbroek (Sieglinde) braucht bei ihrer Intensität keine Szenerie. Von Iréne Theorin versteht man kaum ein Wort, im Leisen ist sie besser als im stählernen Flackern der Brünnhilden-Ausbrüche. Dass es sich um drei im Stück eng Verwandte handelt, hört man – an der gern knappen Intonation. Elisabeth Kulman gibt die Fricka als Salonschlange, Eric Halvarson verfügt als Hunding noch über ausreichend Brutalo-Potenz. Jubel, Standing Ovations und Vorfreude: Die CD kommt ja bald.

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