Wir sind Bär! - neuer Bruno-Kalender - Bildergalerie

- Einen fairen Prozess hat er nicht bekommen - sein idealer Verteidiger wäre aber auch schon 141 Jahre tot gewesen. "Ich bin für die Rechte der Tiere genauso wie für die Menschenrechte", schrieb einst Abraham Lincoln, den ebenso der Kugeltod ereilte wie diesen Sommer Bruno, den Bären.

Manche Erwachsene vergessen eben, dass sie als Kinder nur an ihren Teddy gekuschelt einschlafen konnten. Und lassen die Ursidae auf glühenden Metallplatten tanzen -oder meucheln sie hinterrücks. Das Münchner Stadtmuseum widmet den Bären seinen Memo-Kalender 2007: jede Woche ein Bild, in memoriam Bruno.

Die Fundstücke (auch zu besichtigen), überwiegend aus der eigenen Sammlung, zeigen unser anderes Ich in zotteligem Fell: "Protz", den motorradfahrenden Braunbären mit Halskrause, auf einem Plakat des Circus Krone 1935; ein Porzellanexemplar mit Zange in der Tatze als Zahnarzt; den ausgestopften Empfangsbären, der im Hause Thomas Manns Visitenkarten entgegennahm und heute im Literaturhaus Butler spielt.

Eine Simplicissimus-Karikatur kreuzte 1958 sogar das Münchner Kindl mit dem Berliner Bären -weil preußische Zugereiste die Stadt über die Millionengrenze wachsen ließen. Dokumentiert sind aber auch allerlei menschliche Grausamkeiten: etwa die Abschussgenehmigung der Regierung von vergangenem Juni als Text zu einer Lithografie, die eine Zielscheibe auf einen Bärenwanst projiziert.

Eingang fand auch eine Zeitung aus jenen Wochen, in denen das Schicksal des tapsigen Problembrummers die Gemüter erhitzte. "Bild"- Schlagzeile am 27. Juni: "Der tote Bär". Beklemmend martialisch die Unterzeile: "Um 4.50 Uhr zerfetzte eine Kugel seine Lunge." Tausende Bruno-Fans hätten sich in großen Lettern andere Titel gewünscht -am liebsten diesen: "Wir sind Bär!"

Memo: 15,50 Euro.

Zehn Kalenderbilder zur Ansicht:

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