Wir sind eine Unterhaltungsbude

- "Ich habe keine Not am Theater. Es geht ja um nichts . . . es ist nichts, und es geht um nichts! Und genau darin liegt für alle Beteiligten die Chance. Dass wir aus dem völlig Überflüssigen eine Riesensache machen! . . . Ich bitte mich nicht misszuverstehen. Ich will die Sache nur relativieren. Und den Druck der Wichtigkeit und Notwendigkeit, der so oft beschworen wird, herausnehmen. Wir sind eine Unterhaltungsbude, und es liegt an uns, ob das eine Quasselbude ist . . . oder eine Stätte der Begegnung von Gedanken, die für unsere Zeit und für die Zeit davor und vielleicht auch noch für unsere Zukunft Relevanz haben."

<P>Mit großem Vergnügen liest man das, was die Journalistin Christine Dössel dem Schauspieler Klaus Maria Brandauer in einem ausführlichen Gespräch entlockt. Alles so normal, so vernünftig, und auch die sprichwörtliche Eitelkeit des österreichischen Superstars hält sich in Grenzen. Mit ihrem Buch "Klaus Maria Brandauer - Die Kunst der Verführung" ist Dössel vor allem eines gelungen: neugierig zu machen auf Brandauers nächstes Spiel, seine nächste Rolle und sogar auch auf seine nächste Inszenierung.</P><P>Diese Bildbiografie ist zudem der Beweis ihres Titels: Als Leser ist man verführt, sich in den Gesprächen und Reflexionen festzulesen. Man spürt, dass auch die Autorin selbst Brandauers Kunst der Verführung erlegen ist. Mehrfach, aber zunehmend zaghafter, versucht sie, ihn mit dem "modernen Regietheater" zu konfrontieren. Doch seine Schlagfertigkeit und sein Witz lassen die Einwände sozusagen gegenstandslos werden. Und Dössel registriert dies mit Charme und einigermaßen überwältigt.</P><P>Liebenswert die Zeichnung seines Lebenslaufs, die Schilderung, wie der Weltmann in seinem steirischen Heimatdorf Altaussee fest verankert ist. Beneidenswert erscheint er in seiner absoluten künstlerischen Unabhängigkeit. Sympathisch in seiner Verneigung vor Fritz Kortner. Interessant in dem, was berühmte Kollegen über ihn schreiben. Im Zentrum des Buches wie von Brandauers Schauspielerleben aber steht Hamlet - die Rolle, die er in den 80er-Jahren spielte, das ganze Stück, das er kürzlich am Burgtheater inszenierte.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zum Tod von Jerry Lewis: Amerikas trauriger Clown
Zeit seines Lebens hat Jerry Lewis die Menschen zum Lachen gebracht. Diese Fähigkeit schien ihm angeboren zu sein. Dabei durchlebt auch der Komiker schwarze Stunden.
Zum Tod von Jerry Lewis: Amerikas trauriger Clown
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Die griechische Filmemacherin Athina Rachel Tsangari hat zum ersten Mal am Theater gearbeitet und für die Salzburger Festspiele in Hallein Frank Wedekinds „Lulu“ …
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
Die Arena di Verona kämpft mit Affären und Finanznot. Hilfe verspricht man sich von einem Sanierungsplan - und einer Uralt-„Aida“.
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Er ist Kapitän der Rockband Eisbrecher, deren neues Album „Sturmfahrt“ jetzt erscheint. Wir sprachen mit Alexander Wesselsky über die neue Platte, billiges Fleisch und …
„Ein Hoch auf uns – Warum?“

Kommentare