Singen aus der Emotion heraus

- Äußerlich scheint der kometenhafte Aufstieg der Österreicherin Angelika Kirchschlager in die Riege der international meistgefragten Mezzosoprane wenig Spuren hinterlassen zu haben. Unprätentiös und mit Charme, erscheint sie in Jeans und Turnschuhen zum Interview. Beim Münchner Publikum fühlt sie sich wohl, und bevor sie im April im Nationaltheater im "Rosenkavalier" singt, gibt sie an diesem Sonntag, 20 Uhr, im Prinzregententheater einen Schubert-Liederabend.

<P>Was bedeutet Ihnen Franz Schubert?<BR>Kirchschlager: Er ist eine Herausforderung für mich, denn ich finde, die Lieder sind wahnsinnig schwer zu singen. Sie scheinen so leicht zu verstehen, wenn man kurz hinhört. Aber wenn man wirklich auf den Grund tauchen will, merkt man, wie schwer sie sind. Schubert zu singen, ist eine Lebensaufgabe.</P><P>Gibt es bei den Liedern erklärte Lieblinge?<BR>Kirchschlager: Es gibt im Moment zwei Lieder, die ich besonders gerne singe: Das ist immer wieder der nicht so bekannte "Liebliche Stern" und, was ich gerade erst für mich entdeckt habe, "Florio". Für mich das absolut schönste Schubert-Lied. Aber es passen verschiedene Lieder in verschiedene Lebenssituationen, und dieses passt jetzt perfekt in mein Leben.</P><P>Brauchen Sie einen unterschiedlichen mentalen Ansatz, um sich auf Lieder-, Konzert- oder Opernabende vorzubereiten?<BR>Kirchschlager: Da gibt's für mich überhaupt keine Unterschiede. Meine Philosophie ist die, alles mit der gleichen Intensität, Voraussetzung, Stimme und Freude zu singen, denn ich singe hauptsächlich aus der Emotion heraus. Ich mach' mich natürlich schlau, was den Stil anbelangt, aber letztlich singe ich mit meinem Gefühl, egal ob französisch, italienisch oder ob ich Bach oder Schubert singe. Ich glaube, das Menschliche in jeder Musik ist im letzten Punkt immer gleich.</P><P>Sie singen im Sommer während der Festspiele in ihrer Heimatstadt Salzburg. Welchen Stellenwert haben diese Auftritte?<BR>Kirchschlager: Hin und wieder fällt mir ein, dass Mozart auch in Salzburg geboren wurde und dass wir beide nach Wien gegangen sind, sozusagen um der Provinz zu entkommen. Er hat mit Salzburg Probleme gehabt, und ich habe auch mit Salzburg Probleme, wie sich herausstellt.</P><P>Welcher Art?<BR>Kirchschlager: Dass es für mich in den letzten Jahren nicht möglich war, während der Festspiele Oper zu singen. Jetzt schien es erst zu klappen und nun wieder nicht. Ich hätte 2004 im "Rosenkavalier" singen sollen, wurde aber ziemlich kurzfristig wieder ausgeladen. Na ja, jedes Ding hat seine Zeit. Vielleicht soll ich einfach nach Salzburg kommen, um Urlaub zu machen. Ich singe in diesen Sommer in "Hoffmanns Erzählungen" und drei Konzerte. Und ansonsten schau ich einfach, was passiert.</P><P>Das Gespräch führte Dorothea Hußlein</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Andreas Beck wird Resi-Chef
Bayerns Kunstminister Ludwig Spaenle stellte Andreas Beck als neuen Intendanten des Bayerischen Staatsschauspiels vor. Der 52-Jährige folgt auf Martin Kušej, der München …
Andreas Beck wird Resi-Chef
„Metallischer und düsterer“: Emil-Bulls-Sänger im Interview
Emil Bulls haben sich mit einem neuen Album zurückgemeldet. Am Samstag tritt das Quintett im Backstage auf. Im Interview spricht Sänger Christoph von Freydorf über die …
„Metallischer und düsterer“: Emil-Bulls-Sänger im Interview
Mahnmal für Georg Elser: Die Geschichte hinter dem Grafitto
Das große Graffito an der Bayerstraße ist ein echter Hingucker - und viel mehr als nur Wandmalerei. Im Making-Of-Video erzählen Loomit und Won von ihrem Verhältnis zu …
Mahnmal für Georg Elser: Die Geschichte hinter dem Grafitto
Yello in der Olympiahalle: Elektro mit Herz, Hirn und Humor
Das runde Leder hat den runden Loops keine Chance gelassen. In der Olympiahalle verliefen sich am Dienstagabend ungefähr 2000 Fans der Schweizer Elektro-Pioniere …
Yello in der Olympiahalle: Elektro mit Herz, Hirn und Humor

Kommentare