Singen als ideale Ausdrucksform

- Schauspieler, die als Sänger Karriere machen (oder umgekehrt), ihre eigenen Shows haben - in den USA und in Frankreich gang und gäbe, von Sinatra bis Madonna, von Yves Montand bis Charles Aznavour, Jacques Brel und Juliette Greco. Zu der hierzulande eher nur kleinen erlesenen Schar zählt - wer kennt nicht seinen Charakterkopf? - der TV-/Film-/Theaterschauspieler Dominique Horwitz, an diesem Samstag und Sonntag zu Gast im Münchner Volkstheater mit "The Best of Dreigroschenoper" (20 Uhr).

<P>Und hier in München fing es an mit dem Singen. "Es war reiner Zufall. Ich hatte vorher nie diese Richtung anvisiert", erinnert sich Horwitz. "1983 - ich gehörte zu Frank Baumbauers erstem Ensemble - musste ich im Eröffnungsfest im Residenztheater vier Lieder singen. Das kam gut an. Und ich selbst habe entdeckt, dass es für mich eine ideale Ausdrucksform ist." Was dem Chansonnier Horwitz letztes Jahr wieder bestätigt wurde durch den Mephisto-Preis der Initiative Kultura-Extra.</P><P>Aber chronologisch: 1984 präsentiert er seinen ersten Abend mit Jacques-Brel-Liedern, die Horwitz, französischsprachig in der Nähe von Paris aufgewachsen, vertraut waren. 1993, nach und zwischen Theaterstücken und Filmen mit Regisseuren wie Langhoff, Flimm, Vilsmaier, Wilson, dann dieses Brecht-Weill-Programm. Horwitz, in seiner Ernsthaft-Art: "Aber dies ist eine zweite, neu arrangierte Fassung. Die erste war gegen den Strich. Sehr rockig. Irgendwann habe ich gemerkt, dass die Fantasie für die Figuren zu kurz kam." Jetzt hat er sich tiefer in das "Dreigroschen"-Personal hineingefühlt: in Polly und "was so ein junges Mädchen empfindet". In Mackie Messer und "seine Verblendung. Das ist einer, der mit seinem Schicksal hadert und jammert. Ein höchst unmännliches Bedürfnis, das viele Männer haben."</P><P>Nein, er sei nicht so. Muss man glauben - bei so viel Sympathie der Musen schon für den jungen Horwitz. Aus der kaufmännischen Laufbahn, die er zunächst für seine Bestimmung hält, wird nichts. 1976 empfiehlt ein Freund aus dem deutsch-französischen Gymnasium den 19-Jährigen für eine Fernsehproduktion. Von da an rollt die Karriere. Immer aufwärts. Nicht mal Zeit für die Schauspielschule. Oder fürs Nachdenken über so viel Schicksalsfügung? Wie über eine vorsichtig programmierte Suchmaschine die Antwort: "Im Nachhinein versucht man schon, so einen Strang, eine Logik in seinem Leben zu finden."</P><P>Die beginnt vielleicht bereits, als seine Eltern 1971 nach Deutschland zurückgehen. Hätte für einen 14-Jährigen, mit Schul- und Sprach-Wechsel, mit Freundesverlust, ja ein (Kultur-)Schock sein können. "Im Gegenteil. Wir lebten in einer kleinen Ortschaft bei Paris. Ein Nest. Jetzt kam ich nach Berlin. Meine Schulkameraden waren alle Kinder von Diplomaten, die in Ostberlin arbeiteten - für mich eine aufregende Zeit." Und wieder aufregend das Engagement am Tübinger Zimmertheater (1979-83): "Das war eine Form des Lebens, wie ich sie so nicht mehr erfahren habe. Privat und Theater, das griff ineinander, war eins, was wir auch dem Intendanten Siegfried Bühr verdankten. Vier unglaubliche Jahre, und letztlich auch meine Schauspielschule."</P><P>Die Gesangsausbildung ist er gleich bei dem ersten Brel-Programm angegangen. "Brel ist sehr anspruchsvoll. Und wenn ich den Abend nach längerer Pause wieder aufnehme, brauche ich auch jetzt intensives Stimmtraining." Aber ein Terminplanungs- und Konditionschampion wie Horwitz schafft das spielend. Zur Zeit ist er am Staatstheater Hannover unter Igor Bauersimas Regie Büchners "Danton". Am 6. Dezember hat in München der Kinderfilm "Das Sams II" Premiere, mit Horwitz als "Bösewicht Lehrer Daume". Und mit Brel, "der zweiten Fassung!", will er auch irgendwann wieder vorbeikommen.</P><P>Karten: Tel. 089/ 523 46 55.<BR></P>

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