Das Singen vergessen

- Operette? Das sei einfach "nicht cool" gewesen, "nicht intellektuell genug". Vor allem, weil man in ihrer Heimatstadt Wien Walzerseliges gern "mit Zuckerkitschguss" verabreiche. Und heute? Da ist Cornelia Horak genau bei dem Genre gelandet, für das sie früher nur Naserümpfen übrig hatte. Am Münchner Gärtnerplatztheater singt sie die Hanna Glawari in der "Lustigen Witwe", den Orlofsky in der "Fledermaus" und, ab kommenden Sonntag, die Marguerite Dumé´nil in der Neuproduktion von Richard Heubergers "Der Opernball". Josef E. Köpplinger inszeniert diese Verwechslungsgeschichte um untreue Männer und gewitzte Frauen, am Pult steht Andreas Kowalewitz.

Wichtig ist die Textarbeit

Die Augen für die Operette habe ihr Regisseur Franz Winter geöffnet. Der habe gezeigt, dass man das Genre eben auch ernst nehmen könne. Auf die Operette verknappen lässt sich Cornelia Horak freilich nicht. An Münchens anderem Opernhaus gehört sie zu den vielseitigsten Sängerinnen, im barocken "Theater nach der Mode" war sie dabei, aber auch in "Fidelio" oder in "Così fan tutte".Cornelia Horaks Stärke ist ja gerade, dass sie sich nicht einordnen lässt, dass sie mit Stimmfächern zu jonglieren scheint und zu jeder Figur einen ganz charakteristischen Zugang findet. Und stets ist ihr, sobald sie die Bühne betritt, Aufmerksamkeit sicher - durch ihre ungekünstelte Ausstrahlung, durch darstellerische Frische und vokale Stilsicherheit, auch durch eine gewisse Herbheit, die ihren Auftritten einen so eigenen Charme verleiht.Am wichtigsten ist Cornelia Horak dabei die Textarbeit. "Ich will den Unterschied zwischen Singen und Sprechen ausgleichen", sagt die Sopranistin. "Es soll bei mir immer ,purer’ werden. Ich versuche, auf der Bühne ganz ehrlich zu sein. Das Publikum muss vergessen, dass ich überhaupt singe. Nur dann kann ich doch eine Geschichte erzählen."Ihre ersten ambitionierten Einsätze hatte Cornelia Horak im Familienkreis. Mit den beiden Brüdern und der Schwester wurden Quartette gesungen - "und ich habe die Lieder dafür arrangiert". Nach einem Blockflöte-Studium in Wien kam Cornelia Horak an das private Konservatorium von Kammersängerin Hilde Rössel-Majdan. "Überraschend" gewann sie gleich ihren ersten Wettbewerb, ebenso überraschend wurde sie nach ihrem ersten Vorsingen am Tiroler Landestheater in Innsbruck genommen. Die nächste Station war die Wiener Volksoper, bis Cornelia Horak ab der Spielzeit 2000/01 einen Vertrag am Gärtnerplatz unterschrieb.Bewusst "gewollt" oder angestrebt hat die Österreicherin ihre Karrierestationen oder Rollen nicht. "Bei mir entwickelt sich immer alles in ein unbekanntes Terrain hinein. Oft traue ich mir viele Dinge nicht zu, die dann doch funktionieren." Neben der Bühne gehört ihr Herz dem Konzertanten, hier vor allem der Alten Musik. Und zur großen italienischen Oper fehle ihr nach wie vor der Zugang: "Das ist nicht das, woran meine Seele hängt. Ich könnt' auch leben, wenn ich nur Mozart mache, der war mir immer selbstverständlich." Und das so sehr, dass sie Intendant Klaus Schultz mit einem Rollenwunsch konfrontierte. "Ich bin kein Mensch, der um eine Sache bittet, ich möchte gern gebeten werden", meint die Sängerin lächelnd. "Aber die Fiordiligi in der ,Così’ wollte ich einfach."Der Garten als Hobby

Trotz ihrer Zugehörigkeit zum Münchner Ensemble: Von ihrer Heimatstadt Wien kommt Cornelia Horak nicht los. Dort, am Heuberg, hat sie ihre Wohnung, dorthin bricht sie oft nach einer Gärtnerplatz-Vorstellung mit dem Nachtzug auf: "Es ist einfach die ideale Stadt für mich." Erholung und Ausgleich bietet vor allem der eigene Garten. Mittlerweile züchtet sie, die sich als "Pflanzenfreak" bezeichnet, 14 Rosensorten. Ein Hobby, das sie so beschäftigt, dass es sogar ernsthaft mit der Musik zu konkurrieren scheint. "Ein zweites Leben? Ich würde Gartenarchitektin werden."

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