Singenden Clowns von Ralf Siegel bleibt das Lachen im Hals stecken

- Cuxhaven - Wer "die Pappnase auf hat", hat nur wenig Grund zum Lachen. Das zeigen der Schlagerkomponist Ralf Siegel und der Kinderbuchautor Christian Berg in ihrer ersten Gemeinschaftsproduktion. In "Lachen! Die Zeit der Clowns" erzählen die beiden tragikomische Episoden aus den Leben von Zirkus-Spaßmachern. Mit viel Beifall bedacht feierte das Stück, in dem den singenden Clowns häufig das Lachen im Halse stecken bleibt, am Mittwochabend in Cuxhaven Uraufführung. Im September startet in Hamburg die Deutschland-Tournee.

Auch wenn ihm mit seinen bisherigen vier Musicals der große Bühnenerfolg verwehrt blieb, zeigt der unermüdliche Grand-Prix-Kämpfer und Schlagerkomponist Siegel mit "Lachen" eine sichere Hand für eingängige Arrangements. Traurige Balladen, fetzige Zirkusmusik und ohrwurm-verdächtige Musical-Melodien tragen die Texte von Berg, der bislang mit Kindermusicals brillierte und sich nun erstmals im Erwachsenen-Genre versucht.

Anders als in seinen bisherigen Produktionen wie "Urmel aus dem Eis", "Jim Knopf", "Dschungelbuch" und "Heidi" greift Berg für sein jüngstes Werk keine bekannte Vorlage auf, sondern knüpft an seine eigenen Berufsträume vor der Autorenkarriere an. "Lachen!" zeigt in einzelnen Szenen die Geschichte zweier Clowns, die in einem Zirkus anheuern.

Mit einer Prise Liebesgeschichte, einem etwas deutlicheren Hauch von Gesellschaftskritik und einer guten Portion Nachdenklichkeit entwickelt sich aus den einzelnen Episoden eine Geschichte um Lebenskünstler, die gegen Finanzjongleure und andere humorlose Zeiterscheinungen zu kämpfen haben. Bis sie eines Tages feststellen müssen: "Das Publikum, Frau Hochmut, ist nicht mehr da."

Siegels Kompositionen geben den manchmal etwas getragenen Texten die für den Erfolg notwendige Dynamik ebenso wie die für das Thema "Clowns" unverzichtbare Melancholie. In leisen Tönen wie in schmetternden Rhythmen beweist der Komponist wieder einmal seinen untrügerischen Instinkt für das, was einen breiten Publikumsgeschmack ansprechen kann.

Musikalisch schafft Siegel so einen ähnlichen Spannungsbogen wie Andrew Lloyd Webber in seinen Massenerfolgen. Allerdings weist das Stück in seiner Gesamtheit nicht die sorgfältig konstruierte Dramatik eines Millionen-Sellers auf. Wie im wahren Zirkusleben lassen Berg und Siegel ihre Clowns lieber von Szene zu Szene stolpern. Das Publikum sieht über manchen Bruch hinweg.

"Ich hätte lieber 12 Streicher mehr und ganz viel Blech gehabt", sagt Siegel über die Orchestrierung und zeigt sich dennoch begeistert von der Leistung der sechsköpfigen Zirkusband. Die passt nicht nur sehr gut ins Genre, sondern auch zu den Kostümen (Tanja Schünemann) und dem Bühnenbild (Uli Wolff und Gertie Trautvetter).

Die liebevoll und reich an Details gestaltete Kulisse gehören wie die Choreografie (Nicole Viola Hinz) zu den herausragenden Elementen der Bergschen Inszenierung. Darin führt der Autor nicht nur Regie, sondern übernimmt mit dem Clown Pipo auch noch eine tragende Rolle.

Für seine jüngste Produktion hat Berg ein ausgewiesen gutes Ensemble an seiner Seite. Aus dem ragen Timo Riegelsberger und Yvonne Schroll als Clowns Bubo und Alfredo, Julian Goletzka als Weißclown und Steve Alex als Zirkusdirektor sowie Kristin Bauersachs heraus.

Kein Zirkus kommt ohne Akrobatik aus - mit Sarah Trägner hat Berg sogar eine richtige Seilartistin verpflichtet. Und Berg wäre nicht Berg, wenn er in seinem Stück nicht Botschaften verpackt hätte. "Wenn die Clowns nicht in Ihrem Herzen sind, dann bleiben sie verschwunden", appelliert er mit gewohnter Direktheit ans Publikum. Möglicherweise hätte der Schlusssatz des Musicals als Nachricht gereicht: "Gehen Sie mal wieder in den Zirkus."

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