An die Sinnlichkeit glauben

- Der Mann hat Mut. Orchester werden verkleinert oder gestrichen. Das Repertoire schmeckt meist nach dem abgestandenen Beethoven-Brahms-Mozart-Cocktail. Und ausgerechnet jetzt gründet Markus Elsner ein Kammerorchester für moderne Musik. Erstmals stellt sich das Ensemble Zeitsprung am kommenden Sonntag, 11 Uhr, dem Publikum vor (Kleiner Konzertsaal, Gasteig).

Elsner, Merkur-Förderpreisträger und Dirigent für besondere Aufgaben, ist dem hiesigen Publikum vor allem durch seine Opernprojekte in der Pasinger Fabrik und im Theaterzelt "Das Schloss" bekannt. "Die moderne Musik war schon immer ein Steckenpferd von mir", sagt er. "Durch die Oper hatte ich das aber zu lang vernachlässigt." Manch einer im Ensemble Zeitsprung kennt Elsner von diesen früheren Arbeiten. Wobei er Wert darauf legt: "Hier hat sich kein Studentenorchester gefunden, das sind versierte Profis." Was stimmt, auf der Besetzungsliste der 15-köpfigen Kerntruppe finden sich Mitglieder des Münchner Rundfunkorchesters, der Augsburger Philharmoniker und der Bamberger Symphoniker.

Das Repertoire beginnt bei 1900, vor allem für vernachlässigte und auch für junge Münchner Komponisten interessiert sich das Ensemble. Schon allein deshalb glaubt Elsner, dass es für sein Orchester eine Marktnische gibt. Vier Termine umfasst die erste Konzertreihe des Ensembles. Am Sonntag werden Werke unter anderem von Rodion Shchedrin, Charles Ives und eine Uraufführung von Markus Zahnhausen gespielt. Danach hat man sich Stücke von Gubaidulina, Strawinskys "Geschichte vom Soldaten" und das Thema "Bach und die Moderne" vorgenommen.

Warum Elsner sich das alles antut? "Entweder man verzweifelt über verkrustete Strukturen im Musikbetrieb, oder man packt an." Wobei er sich einen Seitenhieb auf allzu theoretische Programme à` la Münchener Biennale nicht verkneifen kann: "Ich glaube an Sinnlichkeit in der Musik. Wem es genauso geht, der soll unsere Konzerte besuchen."

Nähere Infos unter www.ensemblezeitsprung.de

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