Sippenstreit im Herrscherhaus

- Die Festspiele "Orff in Andechs" lösen sich in diesem Jahr aus ihrer Konzeption, nur bayerische Werke aus Orffs "Kleinem musikalischen Welttheater" aufzuführen. Mit dem "Goggolori" seines Schülers Wilfried Hiller hielt Orff sozusagen als Pädagoge Einzug, und erstmals präsentierte man jetzt eines der Orffschen Antikendramen: "Antigonae" nach Hölderlin.

<P>Ein Stück, das aufgrund der besonderen Anforderungen an Solisten und Orchesterbesetzung nicht alleine gestemmt werden konnte, weshalb man mit den Antikenfestspielen Trier kooperierte. Die Regie übernahm deren Intendant Heinz Lukas-Kindermann. Im Unterschied zu Trier, wo das Stück am 24. Juni als Open-Air-Produktion in den Kaiserthermen Premiere feierte, spielt sich im Andechser Florian-Stadl alles im Innern, im asketischen Bühnenbild von Thomas Pekny ab. </P><P>Das eigentlich Sensationelle dieser Produktion um den Sippenstreit im Herrscherhaus von Theben ist die Besetzung der Titelpartie mit Mezzosopranistin Gail Gilmore. Von Beginn an dominiert sie durch ihre kräftige Bühnenpräsenz in Gestalt und Stimme, intonationssicher beherrscht sie die gewaltigen Stimmlagensprünge. Stimmlich agiert das Solistenensemble homogen, wohingegen die Chöre, die Orff zu den tragenden Säulen ausgearbeitet hat, ungenauer in der Artikulation nicht hätten sein können. </P><P>Anders als von Orff gefordert - 100 Mann starke "Spezialorchesterbesetzung" - spielten die Münchner Symphoniker unter Leitung von Heiko Mathias Förster mit der Hälfte des Instrumentariums präzis und mit rhythmischem Feingefühl. Mit nur zwei Vorstellungen ein gelungenes, aber zu kurzes Gastspiel auf dem Heiligen Berg.</P>

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