"Skandal und Schande"

- Für Nikolaus Harnoncourt ist die Sache klar: "Er kommt von einem anderen Stern." Nichts anders könne er sich bei diesem Künstler vorstellen, bekannte der Dirigent am Freitag beim Festakt in Salzburg, als der 250. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart gefeiert wurde. Er zwinge uns, "in seelische Abgründe zu schauen und kurz darauf in den Himmel; vielleicht ein Griffel in der Hand Gottes".

Mozart sei "ungreifbar und unbegreifbar, er entzieht sich jeder Beurteilung. Wenn wir ihn erfassen wollen, müssen wir beschämt erkennen, dass unsere Elle nicht in sein Maßsystem passt", so Harnoncourt. Zugleich übte er heftige Kritik am Umgang mit dem Genie: "Wir bieten Mozart unsere Jubiläen mit ihren Umwegrentabilitäten und Geschäften und lassen seine Töne zerstückelt aus allen Werbekanälen tropfen - das ist ein Skandal und eine Schande."

Mit einem Festakt in Augsburg wurde in Deutschland das Mozartjahr eröffnet. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber würdigte den Komponisten als "das größte musikalische Wunder, das die Welt je gesehen hat".

Leibniz-Preisträger Ulrich Konrad erklärte bei seinem Festvortrag, das Phänomen Wolfgang Amadeus Mozart bleibe bis heute ein Geheimnis. "Wir kommen Mozart gewiss näher, wenn wir ihn nicht zum wundersamen Göttergeschöpf oder fertig auf die Erde gekommenes Himmelsgeschenk idealisieren, sondern ihn wirklichkeitsnäher als einen Menschen aus Fleisch und Blut sehen, als einen seiner selbst bewussten Menschen mit freiem Willen".

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