Skelette auf dem Schutt der Kultur

- "Wenn ich untergehe, lasst meine Bilder nicht sterben", fleht der jüdische Maler Felix Nussbaum kurz vor seinem Tod. Er selbst trägt stark dazu bei, dass sein Vermächtnis sich erfüllt, denn selbst im Exil trennt sich der am 11. Dezember 1904 in Osnabrück geborene und am 2. August 1944 im Vernichtungslager Auschwitz ermordete Künstler nicht von seinen Bildern. 60 Jahre später erfährt Nussbaum eine besondere künstlerische Würdigung: in der Schau "Zeit im Blick. Felix Nussbaum und die Moderne" im Osnabrücker Nussbaum-Haus.

<P>"Ein Avantgardist war er nicht, aber er hatte eine sehr eigenständige künstlerische Position", sagt die Direktorin des Nussbaum-Museums, Inge Jaehner. Nussbaum, dessen 100. Geburtstag an diesem Samstag Anlass des Gedenkens ist, wird vor allem mit seinen späten Bildern, entstanden im Untergrund und geprägt von Angst und Unterdrückung, zum Maler des jüdischen Schicksals. Und manchmal mehr: Sein letztes Bild "Triumph des Todes" von 1944 nimmt das Grauen von Untergang und Vernichtung vorweg und wirkt wie ein Abgesang auf das Abendland: Mit Fetzen bekleidete Skelette spielen auf dem Schutt der abendländischen Kultur vor dunkel drohendem Himmel zum Totentanz auf.<BR><BR>Aber er ist nicht allein Chronist des Holocausts. Nussbaums Bilder sind zeitlos, sind Werke eines Menschen, der unter Flucht und Verfolgung gelitten hat. Bis 1943, bis zu dem "Selbstbildnis mit Judenpass", gibt es in den Bildern keinen Hinweis darauf, was ihn bedrohte. Seine von der "Neuen Sachlichkeit" geprägten Arbeiten haben ihn schon früh zu einer festen Größe gemacht, zu einem Jungstar im Berlin der 20er-Jahre mit einer ganz eigenen, respektlosen Bildsprache.<BR><BR>In Osnabrück wird Nussbaum in gutbürgerlichen Verhältnissen groß. In Berlin studiert er Kunst. Die Machtübernahme der Nazis 1933 ist der entscheidende Bruch im Leben des Künstlers. Über Paris gelangt er ins Exil nach Brüssel. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Belgien im Jahr 1940 wird er festgenommen und in ein südfranzösisches Internierungslager gebracht. Wenig später kann er fliehen. Am 31. Juli 1944 werden er und seine Frau mit dem letzten von 26 Deportationszügen aus Belgien nach Auschwitz gebracht und ermordet.<BR></P><P> </P>

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