Sketchparade mit zeitweiligem Lacherfolg

- Eine kleine Liebesaffäre bezeichnet der Kölner gerne als Fistnöl. Ein solches scheint Christian Stückl, Intendant des Münchner Volkstheaters, mit den Bühnen Köln zu unterhalten, denn bereits zum zweiten Mal darf er sich hier als Opernregisseur beweisen.

Mit "Fidelio" hatte Stückl in der letzten Spielzeit am Rhein debütiert, nun empfiehlt er sich mit einer Humoreske der besonderen Art: mit "La Cifra", einer Oper von Antonio Salieri (1750-1825), die ausgerechnet im Mozart-Jahr Premiere hat. Wie so viele andere Werke des einst zum Mozartmörder gestempelten Salieri gehört auch dieses zu den Stiefkindern seiner Epoche. Da hilft auch die Prominenz des Textdichters nicht weiter, der niemand Geringeres war als Mozarts Leib- und Magenlibrettist Lorenzo Da Ponte.

"La Cifra" - eine Verwechslungskomödie, wie sie für das so sehr galante ausgehende 18. Jahrhundert nicht typischer sein könnte: Grafentöchter werden vertauscht, Intrigen gesponnen, doch dank einer Chiffre, mit deren Hilfe die adelige Identität der vermeintlich bäuerlichen Olimpia bewiesen werden kann, wird am Ende alles gut und der standesgemäßen Hochzeit (obligatorisch für jede Opera buffa) steht nichts mehr im Wege. Die Musik hierzu ist überaus reizend, den letzten Pfiff hat Salieri ihr allerdings nicht verpasst.

Den letzten Pfiff bleibt auch Christian Stückl seiner Inszenierung schuldig, eine Sketchparade mit zeitweiligem Lacherfolg, die das ansonsten humorbegabte Kölner Publikum aber auch nicht so recht von den Stühlen reißen wollte - ein allenfalls höflicher Applaus war ihr Lohn. Bayerisches Volkstheater ist eben nicht jedermanns Geschmack, doch genau das war es, was auf der Bühne präsentiert wurde: krachlederne Gags mit viel Haudrauf, aber immer ein wenig zu derb, immer ein wenig zu laut für eine derart fragile Musik wie die Salieris. Für die überflüssigste Pointe reißt Stückl, der Unsensible, gerne mal auf tollkühne Weise Gesangsnummern auseinander. Feinheiten versenden sich so, und es entsteht der Eindruck einer ziemlichen Zusammenhangslosigkeit auf der Bühne, wo (deutsch gesprochene) Dialoge und (italienisch gesungene) Arien ungerührt nebeneinander herlaufen.

Überhaupt eine fragwürdige Aufführungspraxis, die originalen Secco-Rezitative durch Stückls mehr als freie Nachdichtung zu ersetzen. Vermutlich macht er sich selten Gedanken über das Verhältnis von Text und Musik einer Oper, sonst wäre dabei etwas Geschlosseneres herausgekommen. Dumm, dass den Schaden immer das Werk trifft. Zum Glück war auf die Sänger Verlass, unter denen vor allem Regina Richter und Ausrine Stundyte als ungleiches (und vor allem nicht einmal echtes) Geschwisterpaar Lisotta und Olimpia hervortraten - die eine mit bemerkenswert hellem und reinem Sopran, die anderem mit dunkel-weicher Mezzo-Stimme. Hauke Möller als schottischer Milord bewies lyrische Mozart-Qualitäten, während Andreas Hörl seiner Buffopartie des Rusticone zwar nicht mit schwerem, dafür aber mit umso eleganterem Bass zuleibe rückte.

Einzig das Gürzenichorchester wollte sich unter der Leitung von Martin Haselböck nicht zu musikalischen Höchstleistungen aufschwingen, vor allem zu Beginn der Aufführung machte es einen etwas verschlafenen Eindruck.

Karten: 0221/ 22 12 84 00.

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