Smarte Demokraten

- Jung sein, smart sein und ein ungeheures Talent besitzen - das sind die drei wichtigsten Zutaten für den selbst gebackenen Erfolg. Schon bei ihrem ersten München-Aufenthalt räumten die vier Musiker vom Quatuor Ebène ab: im Jahre 2004 den ersten Preis beim Internationalen ARD-Wettbewerb. Seither kann sich das französische Streichquartett vor Auszeichnungen kaum noch retten.

Heute Abend kehrt es an den Ort seines ersten internationalen Triumphs zurück. Im Herkulessaal wird es mit einem gewichtigen Programm zu hören sein; Haydn, Bartó´k, Beethoven, die Leib- und Magenkomponisten des klassischen Repertoires, die nahezu alle berühmten Quartettformationen maßstabsetzend interpretiert haben.

Wollten sich die vier Franzosen damit etwas beweisen? "Natürlich liegt die Messlatte für die Stücke, die wir spielen, sehr hoch", sagt Raphaë¨l Merlin, Cellist des Quartetts, "andererseits gibt es für uns keinen Grund, nur weil wir jung sind, das klassische Repertoire zu meiden. Diese drei Komponisten sind nun einmal die wichtigsten Quartettkomponisten überhaupt. Gerade Beethoven. Außerdem: Mit Bartó´ks Drittem Streichquartett und Beethovens Op. 127 haben wir damals den ARD-Wettbewerb gewonnen. Und Haydn spielen wir auf unserer ersten CD, die Ende April in Deutschland herauskommt." Kennen gelernt haben sich die allesamt aus Südfrankreich stammenden Musiker an der regionalen Musikhochschule in Boulogne-Billancourt. In seiner jetzigen Formation wurde das Quartett im Jahre 2002 in Paris gegründet.

Nach seiner Lehrzeit beim Ysaÿe-Quartett folgte ein Studienaufenthalt bei Gabor Takacs, dem Gründer des legendären Takacs-Quartetts, in Genf. Französische und ungarische Streichquartettschule - in welcher Tradition sieht sich das Quatuor Ebène selbst?

"Die ungarische Schule ist vielleicht die beste der Welt, und Frankreich hatte auch schon vor dem Krieg eine bedeutende Quartett-Tradition, kleiner als die in Deutschland, aber fein. Letzten Endes sind wir allerdings unsere eigene Schule, und unsere schwierige Arbeit besteht darin, etwas Gemeinsames im Zentrum zu finden. Ein Lehrer hat dabei eher die Rolle eines ,fünften’, gleichberechtigten Mannes."

Also ein demokratisches Streichquartett? "Alle Streichquartette sind heute demokratischer organisiert, als noch im letzten Jahrhundert. Es ist gut zu sehen, dass man große Werke wie diejenigen Beethovens ganz ohne Leitung und ohne Chef auf die Bühne bringen kann. Die Arbeit, die ständige Suche nach dem Gleichgewicht, ist sehr zeitintensiv, vor allem aber auch sehr spannend. Man lernt dabei viel für sein Privatleben."

Heute im Münchner Herkulessaal, 20 Uhr, Tel. 089/98 29 28 27.

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