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Aus einem Haufen Männer ohne militärische Kenntnisse formte Jaymes Butler US-Soldaten. Unser Bild zeigt die Gruppe beim Dreh zum Kinofilm "Snowden" in der Oberpfalz mit Oliver Stone (Jacke in Orange) - Stone hat es signiert. 

Blick hinter die Kulissen

"Snowden"-Film: Wie die Statisten in Bayern trainiert wurden

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Jaymes Butler, Schauspieler und Stuntman, trainierte für Oliver Stones Film „Snowden“ Statisten als US-Soldaten. 

Wie macht man in Deutschland aus einem Haufen Männer ohne militärische Ausbildung innerhalb weniger Tage gestandene US-Soldaten? Unmöglich, dachte auch Jaymes Butler. Der US-Amerikaner ist ehemaliger Military Special Operative Forces Officer; 13 Jahre gehörte er einer Spezialeinheit an. Als US-Regisseur Oliver Stone ihn bat, für dessen neuen Film „Snowden“ genau dieses Unmögliche möglich zu machen, schlug Butler trotzdem zu. Die Chance, mit einem Oscar-Preisträger zusammenzuarbeiten, lässt man nicht ungenutzt. Und es hat funktioniert: Am 22. September kommt „Snowden“ in die deutschen Kinos. Gedreht wurde der Film zum großen Teil in Bayern (wir berichteten).

„Ich bin glücklich, dass Oliver Stone mir dieses Vertrauen geschenkt hat“, sagt Jaymes Butler. Im Oktober 2014 hatte er den Filmemacher, der demnächst seinen 70. Geburtstag feiert, in Deutschland getroffen. Den Kontakt hatte der Münchner Produzent Mark Popp hergestellt, der an „Snowden“ beteiligt ist. Popp und Butler kennen sich schon lange. Der 56-jährige US-Amerikaner ist seit mehr als 20 Jahren im Raum München ebenso zu Hause wie in Los Angeles. Ins Filmgeschäft kam er als Stuntman bei Mac Steinmeier in den Bavaria Filmstudios. Heute ist er Schauspieler, zu sehen in Kinofilmen wie „Resident Evil“ und im deutschen Fernsehen etwa an der Seite von Hannelore Elsner („Die Kommissarin“) und Thomas Kretschmann („Der Seewolf“); er drehte mit Roman Polanski („Der Ghostwriter“), Tom Tykwer („The Cloud Atlas“) und Samuel L. Jackson („Big Game“).

„Als ich noch in L.A. lebte, habe ich nie daran gedacht, dass ich einmal mit so bekannten Leuten zusammenarbeiten könnte“, erzählt Butler. Aber das Leben zwischen Los Angeles und München, die Kontakte hier wie dort, öffneten ihm Türen und Möglichkeiten. Der Schauspieler und Stuntman wird bis heute auch immer wieder als Stunt-Koordinator oder militärischer Berater beim Film engagiert. So wurde Oliver Stone auf ihn aufmerksam.

Jaymes Butler ist in Oliver Stones "Snowden" als Drill-Sergeant zu sehen. 

Butler war schon vor Beginn der Dreharbeiten zu „Snowden“, nämlich bei den Vorbereitungen Anfang 2015 dabei – auf der Suche nach einer Gegend, die aussehen musste wie Fort Benning im US-Bundesstaat Georgia, jenem Ausbildungslager, in dem Edward Snowden gedrillt wurde. Nachgebaut wurde es in Bodenwöhr in der Oberpfalz auf einem ehemaligen US-Militärgelände. „Die Jungs haben exzellente Arbeit geleistet“, schwärmt Butler. „Kein Mensch wird merken, dass das nicht Georgia ist.“

Butler spielt in „Snowden“ den Drill-Sergeant Robinson. „Wir haben in einem offenen Casting mit der Münchner Agentur Producers Friends mehr als 1000 Menschen in die Bavaria Filmstudios eingeladen“, erzählt er. „Das war Wahnsinn.“ Er kennt die Leute der Agentur gut und meint: „Das war mein Glück.“ Die Statisten sollten irgendwie amerikanisch aussehen. 400 Männer hat er ausgewählt, die schon beim Casting einen Militärparcours absolvieren mussten. 80 wurden am Ende genommen – die wenigsten mit auch nur geringsten militärischen Vorkenntnissen. Butler holte sich mit Gregory Schwabe, Dom Reid und Lincoln Potwin ein erfahrenes „Dreamteam“, wie er sagt. Zusammen formten sie aus den Statisten und Hauptdarsteller Joseph-Gordon Levitt innerhalb von fünf Tagen US-Soldaten, die aussehen wie Soldaten, sich benehmen wie Soldaten und laufen wie Soldaten. „Ich war der Drill-Sergeant – auch wenn die Kamera nicht lief, das ging nicht anders. Anders hätte man ihnen diese Disziplin nicht eintrichtern können.“ Butler nennt es „Crash-Cours-Hell-Week“ und lacht. „Ein echtes Special-Force-Training.“

„Es war ein Vergnügen, bei der Produktion dabei zu sein“, sagt der 56-Jährige. „Ich habe von allen viel gelernt.“ Besonders gern erinnert er sich an die Arbeit mit Levitt. „Es war so einfach, ihm alles beizubringen. Ein sehr guter Schauspieler“ – und überzeugend als Edward Snowden. Der Whistleblower, dessen Enthüllungen 2013 die NSA-Affäre auslösten, lebt bis heute im Asyl in Russland. Butler freut sich, dass der Film nach eineinhalb Jahren nun endlich in die Kinos kommt. Erster Premierentermin war bereits Weihnachten 2015.

Am 17. Oktober läuft der Film "Terror" in der ARD. Wir erklären, wie das interaktive TV-Ereignis funktioniert.

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