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Gerhard Polt als Frosch in der Münchner „Fledermaus“.

“Die Fledermaus“ mit Gerhard Polt und Bilderbuch im Nationaltheater

So ist die Staatsoper ins neue Jahr gePoltert

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Im Münchner Nationaltheater gab‘s nach der heuer besonders komischen „Fledermaus“ mit Gerhard Polt und den Well-Brüdern erstmals eine Silvesterparty im ganzen Haus – etwa mit einem Konzert der Band Bilderbuch. 

Sorgten für Lacher: Christoph Well (li.) und Gerhard Polt.

München – „Das ist er!“ Getuschel in den Reihen des Nationaltheaters, als ein Mann mit Nachtwärterlampe die verdunkelte Bühne betritt. Ach was, ein Mann. Der Mann, auf den sie hier alle gewartet haben. Gerhard Polt als Frosch im Silvesterdauerbrenner „Die Fledermaus“. Und der weiß, was sich gehört. Schaut hinab in den Graben und verkündet: „Man glaubt ja gar nicht, was da unten für Schätze zu finden sind.“ „Genau!“, ruft da einer aus dem Publikum. Spätestens jetzt ist klar: Heute ist hier alles erlaubt. Und im Zweifel heißt’s am Morgen danach: „Nur der Champagner war an allem schuld.“

Johann Strauß’ Operette mit dem mit Zweideutigkeiten und amüsanten Spitzen gespickten Libretto von Richard Genée ist alle Jahre wieder für Musikliebhaber die Gelegenheit, die letzten Stunden bis Mitternacht auf höchst kurzweilige Weise zu überbrücken. Und steht ein Polt auf der Bühne, kommen selbst die zurückhaltendsten Operngänger nicht darum herum, selbst eine Gesangseinlage zu wagen. Der Frosch singt vor – und mehr als 2000 Damen in Paillettenkleidern und Herren in Abendanzügen imitieren ihn lautstark.

Bilderbuch rocken das Nationaltheater.

Schon ab dem zweiten Akt hört man hier von manchem Gast, der vorher mit bisweilen ernster Mine durch sein Opernglas geschaut hat, ein Lachen, das aus tiefstem Herzen kommt. Als Okka von der Damerau alias übersättigter Prinz Orlofsky die musikalischen Gäste hereinbittet – und inmitten der Ballgesellschaft mit einem Mal die Well-Brüder aus’m Biermoos in Hirschledernen stehen und ihre Gstanzl vortragen, „in dieser scheenen Mehrzweckhalle“. Da wird aus der „Fledermaus“ kurzerhand ein satirischer Jahresrückblick im Schnelldurchlauf, bei dem von der AfD über Markus Söder und Donald Trump jeder sein Fett wegbekommt. Der Frosch erlaubt sich, zu Beginn des dritten Akts dort gleich weiterzumachen. Seine kurze Kabaretteinlage endet mit dem umjubelten Wunsch: „Ich hoffe, dass das neue Jahr so viel Charakter hat, nicht zu halten, was es verspricht.“

Überhaupt, der Polt. Bei ihm reicht’s ja schon, dass er mit seiner unnachahmlich trockenen Art Zeilen wie „Die Olga und die Ida? Die waren ja noch nie da, und jetzt san sie so früh da“ spricht, damit im Parkett und auf den Rängen gegiggelt wird wie sonst bei den Gastauftritten der vier Bayern ein paar Häuser weiter in den Kammerspielen. Im Nationaltheater verwandeln sich die Well-Brüder an diesem Abend in Gefangene des Direktors Frank – und musizieren grinsend mit Instrumenten, die ihnen bereitwillig aus dem Graben gereicht werden. Auch sie müssen nur den Mund aufmachen, schon ist’s ein Jauchzen und Lachen überall im Raum. „Bei solch einem Publikum benötigt München keinen neuen Konzertsaal“, neckt Christoph Well – und quittiert dafür Beifallsstürme, die sagen sollen: Bei solch einem Programm aber bitte sehr flott, flott!

Zum goldenen Konfettiregen gibt’s nach der Auflösung aller Verwirrspiele den obligatorischen Neujahrsgruß. Viele rennen hier schon hinaus, um ein Taxi zu ergattern. Sie wussten wohl nicht, was nach der großen Show noch für eine Schau geboten war: Erstmals in der Geschichte der Staatsoper gab’s eine Silvestersause mit Musikeinlagen überall im Haus.

Ins neue Jahr tanzten die Gäste der Staatsoper.

Der Höhepunkt um kurz nach Mitternacht: Die Band Bilderbuch auf den Brettern, in denen wenige Stunden zuvor noch Wodkaflaschen zerdeppert wurden. Scherben bringen schließlich Glück! Was noch passierte, wissen nur die Feiergäste. Und im Zweifel schuld war...

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