Sockel-Skulptur von Thomas Schütte am Trafalgar Square

London - Das acht Tonnen schwere "Modell für ein Hotel" soll mindestens zwei Jahre lang auf dem so genannten vierten Sockel (Fourth Plinth) des Platzes gezeigt werden.

Dort werden regelmäßig abwechselnd Werke internationaler Künstler ausgestellt - nun ist der deutsche Künstler am Zug.

Schüttes Architekturmodell sei "eine weitere ambitionierte und wirkungsvolle Skulptur eines Künstlers von Weltrang", sagte Sandy Nairne, die Direktorin der National Portrait Gallery und Vorsitzende der Fourth-Plinth-Jury. Schütte, der kunstinteressierten Londonern über sein Werk berichtete, sagte: "Eine Skulptur für solch einen bekannten, ikonenhaften Platz in London zu entwickeln, war schon eine Herausforderung, die viel Nachdenken und Kreativität erforderte."

Das utopisch anmutende Hotel-Modell des 1954 in Oldenburg geborenen und seit langem in Düsseldorf lebenden Künstlers sammelt und reflektiert Licht auf 21 durchsichtigen Stockwerken. Zugleich spiegeln sich darin das Leben und der Verkehr auf dem berühmten Platz.

Die Fourth Plinth steht in der Nordwestecke vor der Nationalgalerie. Ursprünglich sollte auf dem 1841 erbauten Sockel ein Reiterdenkmal errichtet werden, doch der Plan wurde aus Geldmangel fallen gelassen. 1998 beschloss die Königliche Gesellschaft zur Förderung der Künste, den Sockel für wechselnde Ausstellungen von Skulpturen zu nutzen. Seitdem waren dort Werke von Mark Wallinger, Bill Woodrow und Rachel Whiteread zu sehen.

Zuletzt hatte auf dem vierten Sockel Marc Quinns schneeweiße Skulptur "Alison Lapper Pregnant", die eine körperbehinderte Schwangere darstellt, für Diskussionen und einige Kritik gesorgt. "Thomas Schüttes Arbeit ist nun etwas ganz anderes", sagte Londons Bürgermeister Ken Livingstone. "Die starken Farben bilden einen interessanten Kontrast zur Umgebung. Ich bin sicher, die Arbeit wird stark diskutiert werden." Öffentliche Debatten über neue Kunst anzuregen sei eines der wichtigsten Ziele bei der Besetzung des Sockels, sagte Nairne.

Werke des äußerst vielseitigen Schütte sind derzeit auch im Henry Moore Institute in Leeds ausgestellt. Die Schau "Fake/Function", die noch bis Anfang Januar 2008 läuft, konzentriert sich auf die frühen Werke des Düsseldorfer Künstlers. International bekannt wurde Schütte mit architekturkritischen Modellen, etwa den "Ferienhäusern für Terroristen", und mit Skulpturen, in denen Figur und Körper im Mittelpunkt stehen. Sein Spektrum reicht von Keramikköpfen über die voluminösen "Großen Geister" aus Gussstahl bis zu monumentalen, teils deformierten "Frauenskulpturen". (dpa)

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