Söhne Mannheims: Überzeugungstäter mit Disziplin

München - Die Söhne Mannheims ziehen in der Olympiahalle eine souveräne Show ab. Lesen Sie hier die Konzertkritik:

Von Ruhm und Erfolg haben die Burschen sicher geträumt, als sie Mitte der 90er-Jahre ihre Combo in der baden-württembergischen Provinz gründeten. Aber dass eines Tages die voll besetzte Münchner Olympiahalle einmal euphorisch den Namen ihrer Heimatstadt skandieren wird, das hat wohl die kühnsten Erwartungen der Söhne Mannheims übertroffen.

Es dauert zwar ein klein wenig, bis die Herren aus Baden das Publikum so weit haben, aber als es geschafft ist, kennt die Begeisterung in der Arena keine Grenzen. Eine doppelte La-Ola-Welle wird schließlich mit den Hits „Geh davon aus“ und „Das hat die Welt noch nicht gesehen“ belohnt. Danach haben die Mannheimer leichtes Spiel.

Im Unterschied zum vorhergegangenen Auftritt in München sind diesmal die Stimmen gut ausgesteuert, und so kann man leicht erkennen, woher der Erfolg rührt: Die „Söhne Mannheims“ können singen – im Musikgeschäft keineswegs so selbstverständlich, wie man meinen möchte. Zudem haben sie eine sehr zuverlässige Band im Rücken, die mitunter mit gelungenen minimalistischen Arrangements überrascht. Die Rosenkranz-Lyrik über Liebe, Glaube, Hoffnung ist in neueren Liedern ziemlich kratzbürstiger Revolutionsprosa gewichen und die demonstrative Lässigkeit früherer Auftritte einer disziplinierten Show – beides schadet keineswegs.

Wurde früher breitbeinig spätpubertäre Coolness vorgeführt, so werden nun schon mal einstudierte Tanzsequenzen eingefügt. Man kann die Begeisterung über diese Band teilen oder nicht, aber es ist leicht ersichtlich, dass sie sich ihren Status zielstrebig erarbeitet hat und keineswegs zufällig eine der erfolgreichsten Gruppen des Landes geworden ist. Die Söhne Mannheims zeigen mittlerweile eine beachtliche Bandbreite und Souveränität.

Die äußert sich nicht zuletzt dadurch, dass sich Star Xavier Naidoo zurücknimmt und den Kollegen die Show überlässt. Ein kurzweiliger Abend für die Fans der Band – die uns wohl noch eine Weile erhalten bleibt. Die Jungs sind Überzeugungstäter, freiwillig gehen die nicht.

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