News-Ticker: Polizei soll Attentäter von Barcelona verhaftet haben

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Vom Sohn verstoßen

- "Eure Armut kotzt mich an!", schreit der Aufdruck vom T-Shirt herunter. Josef Bierbichler alias "Der Gitarrenmann" schreit nicht. Er flüstert, als er die Bühne des Münchner TamS betritt. Jedes Wort seines Jon-Fosse-Monologs, leise hingehaucht von einem, der gerade die Hoffnung auf eine Zukunft aushaucht, steht plötzlich im Raum, als ob man es anfassen könnte.

<P>Als ob man die Unumstößlichkeit und Verzweiflung dieser Worte mit Händen greifen könnte.<BR>Bierbichler spielt in "Der Gitarrenmann", inszeniert von Christoph Marthaler im Jahr 2001 für das Zürcher Monologfestival, einen Straßenmusikanten, einst rebellisch, jetzt resigniert. Seine Armut kotzt ihn an, aber sie ist nicht gleichzusetzen mit seiner materiellen Notlage, früher empfunden als revolutionäre Ideallage. Mitmenschenarmut, die Aufmerksamkeitsbettelei, der Visionenmangel, all das macht dem Mann jetzt zu schaffen, der einst in dieses nordische Land "kam wegen einer Frau und blieb wegen eines Sohnes".<BR><BR>Jon Fosses Monolog ist wie jeder Text des norwegischen Modedichters eine Anhäufung von Leerstellen. Einem Bühnenkünstler vom Kaliber Bierbichlers macht der Sturz in die Abgründe des Unformulierten nicht das Geringste aus. Bierbichler, der hier häufig lacht, obwohl er mit jedem Satz des Gitarrenmanns innerlich zu weinen scheint, spannt sozusagen kleine Fallschirme der Hintergründigkeit und Bedeutungsvielfalt auf und segelt an ihnen sanft auf den Grund dieser todtraurigen Geschichte.<BR><BR>Noch zählt er seine mageren Kronen-Münzen - "für einen so kalten Tag nicht schlecht" -, schält eine Orange, trinkt aus einer Bierflasche. Aber eigentlich will er aufhören. Sein Gitarrenkoffer ist schon leer. Und wie um sich seiner Musikervergangenheit noch einmal zu vergewissern, hebt er hier und da mit kleinem Stimmchen eine melancholische Weise an. Mit der Gitarre hat er seine Selbstachtung aufgegeben. Die Nichtbeachtung durch die Passanten, die Verachtung durch seinen Sohn erträgt er nicht länger. Denn das kränkt den Rebell visionärer Tage dass er, der dem kleinbürgerlichen Elternhaus entkommen wollte, jetzt vom eigenen Sohn verstoßen wird.</P><P>Noch am 19. Juni, 20.30 Uhr. Karten 089/ 34 58 90.</P>

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