Solo in der Villa Kunterbunt

- Unter der Perücke mit den feuerroten Zöpfen steckt eine erwachsene Frau: Die Schauspielerin Kerstin Fernström schlüpft in ihrem Soloprogramm in die Rolle der Pippi Langstrumpf. Zusammen mit dem Regisseur Bernd Plagemann hat die gebürtige Schwedin und Wahlhamburgerin Szenen aus Astrid Lindgrens Büchern zusammengestellt - für Zuschauer "von sechs bis 96".

Heute, Beginn um 18 Uhr, tritt Fernström, bekannt aus Fernsehserien wie "Ein Bayer auf Rügen" oder "Großstadtrevier", im Theaterzelt "Das Schloss" in München, Schwere-Reiterstraße 15, auf (bis einschließlich 15. Februar). Dort ist außerdem eine Ausstellung mit 120 Exponaten aus Leben und Werk von Astrid Lindgren zu sehen. Info-Telefon und Kartenreservierung: 089/ 3 0030 13. <BR><BR>Ist es nicht schwierig, als Erwachsene Pippi Langstrumpf zu verkörpern? <BR><BR>Fernström: Ich versuche gar nicht, ein Kind zu sein, wenn ich Pippi spiele. Ich will so sein wie diese Figur - und dann werde ich wie dieses Kind. <BR><BR>Wie kam es zu dem Programm? <BR><BR>Fernström: Das war die Idee von Bernd Plagemann. Ich dachte erst: Das kann ich nicht spielen. Aber je mehr ich mich damit befasst habe, umso mehr Spaß hat es mir gemacht. <BR><BR>Eine weitere Herausforderung: Als Pippi stehen Sie ganz allein auf der Bühne - ohne Kollegen, also ohne Dialogpartner. <BR><BR>Fernström: Ich hatte das zuvor noch nie ausprobiert. Vor der Premiere, bei vollem Haus in Hamburg vor 600 Leuten, war ich schon sehr nervös. Ich spiele alle anderen Figuren: den Kapitän Langstrumpf, die beiden Polizisten, den Zirkusdirektor, Thomas und Anika. Ich trage dabei immer das Pippi-Kostüm, verändere aber die Stimme und Bewegungen. Auf der Bühne sind noch ein Elch und ein Affe aus Stoff. Wir haben wunderschöne Lichteinstellungen und viele Toneinspielungen. <BR><BR>Im Publikum sitzen neben Kindern auch Erwachsene. Wie reagierten die Zuschauer bisher? <BR><BR>Fernström: Am meisten lachen die Erwachsenen. Und neulich kam ein Kind nach der Vorstellung und sagte: Pippi, ich hab` Dich lieb. <BR><BR>Waren Sie als Mädchen frech wie Pippi - oder schüchtern wie Anika? <BR><BR>Fernström: Frech wie Pippi. Ich habe nicht mit Puppen gespielt, sondern war im Wald beim Klettern. Ich war auch manchmal sehr ungezogen in der Schule. Meine Kindheit war ein Abenteuer, ein fröhliches Abenteuer. Als Jüngste von vier Kindern konnte ich fast alles machen, was ich wollte. <BR><BR>Erfüllen Sie sich einen Kindheitstraum, wenn Sie jetzt in die Rolle der Pippi schlüpfen? <BR><BR>Fernström: Ich habe eher die anderen Figuren von Astrid Lindgren geliebt. Die Kinder aus Bullerbü zum Beispiel. Und die Märchen der Schriftstellerin. Es sind romantische Märchen, auch traurige. Meine Mutter hat mir die Bücher vorgelesen. <BR><BR>Was reizt Sie an der Rolle? <BR><BR>Fernström: Pippi ist frei, sie ist fröhlich, und für sie ist nichts unmöglich. Auch wenn sie mal böse wird, ist sie immer von Herzen gut. Sie ist klug und weise. Von Pippi kann man auch als Erwachsener lernen: das Leben zu genießen und zu bejahen. Dass man alles erreichen kann, wenn man es will. Und geradeaus zu sein. Pippi ist wunderbar direkt. Ich denke, dass Erwachsene von Kindern genauso viel lernen können wie umgekehrt. Astrid Lindgren hat gesagt, sie habe immer das Kind in sich bewahrt. <BR><BR>Haben Sie sich auch etwas Kindliches bewahrt?<BR><BR>Fernström: Ich bin sehr heiter und relativ spontan. Vielleicht manchmal zu spontan. Wenn man das kindlich nennen will, dann bin ich es. <BR><BR>Das Gespräch führte Florian Staudt <BR>

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