Sonnyboy mit Zauberstimme

- Kein Zweifel, David Daniels' Stimme ist ein kostbares Zauberinstrument, dem das Publikum willig verfällt. Auch dann, wenn der amerikanische Countertenor sie pur präsentiert und nicht noch, wie bei den umjubelten Münchner Opernauftritten, seine ködernden Extras - Charme, Temperament und Spielfreude - beipacken kann. Beim Liederabend mit Donald Sulzen am Klavier trat er im Prinzregententheater den Beweis an. Mit Mozarts zarten Liedchen gelang ein sanfter Einstieg: schlicht, empfindsam, bei bester Textverständlichkeit. Über fein changierende, weich fließende Fauré´-Mé´lodies steuerten Daniels und Sulzen den ersten Höhepunkt an: Händels "Scherza infida" aus "Ariodante". Herrlich, mit welcher Mühelosigkeit Daniels seine Stimme führte: Bruchlos und stilvoll phrasiert, mit rund überkuppelter Höhe, körperhaftem, betörend sinnlichem Ton und einem Ausdruck unendlicher Trauer. Wer mochte da nicht mit ihm leiden?

<BR>Über Purcells Lieder gelangte das amerikanische Duo zu Heimatlichem: Zu "Chamber Music" des an der University of Michigan lehrenden Komponisten und Chor-Spezialisten Theodore Morrison.<BR><BR>In den 2002 von ihm uraufgeführten fünf Liedern nach Gedichten von James Joyce demonstrierte Daniels hohe Musikalität und Intonationsgenauigkeit. Seine Geschmackssicherheit - von Sulzen sensibel unterstützt - bewahrte auch die amerikanischen Volkslieder vor allzu sentimentalem Ton. Bis schließlich beider Humor siegte und (endlich) Daniels Showtalent aufblitzte. Heftig gefeiert, wagte sich der Sonnyboy beim Zugaben-Reigen sogar in Schubert'sche Gefahrenzonen. Vorsicht!<BR><P> </P>

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