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Der einzige Mann der Grunge-Bewegung, der wirklich singen konnte: Chris Cornell

Zum Tod von Chris Cornell (52)

Die schönste Stimme des Grunge ist verstummt

Mit seinen Texten, erfüllt von Weltschmerz und Wut, definierte Chris Cornell die Grundstimmung des Grunge. Nun ist der Soundgarden-Sänger mit nur 52 Jahren verstorben.

Die Musik war krawallig und wild, so wie bei den anderen Bands, die das Etikett Grunge verpasst bekommen hatten. Aber bei Soundgarden stach ein bemerkenswert ausdruckstarker Gesang mit vielen Farben auf technisch hohem Niveau hervor. Es war die Stimme von Chris Cornell, die Soundgarden so besonders machte. Man könnte sogar sagen: eigentlich war der Mann der Einzige der Grunge-Bewegung, der wirklich singen konnte. 

Angefangen hatte er als Schlagzeuger, aber es drängte Cornell nach vorne, an das Mikrophon. Den immensen Erfolg Anfang der 90er im Sog der Grunge-Welle hatten Soundgarden nicht kommen sehen. Sie haben sich selbst nie so recht als Teil dieser Bewegung verstanden. Sie hatten ja schon Musik gemacht, bevor der Begriff Grunge durch die Musikpresse geisterte, die erste Platte erschien 1988. Damals ordnete man sie eher als Epigonen von Led Zeppelin ein. Aber die Jungs waren eben aus der Grunge-Kapitale Seattle und laut. Damit war man Anfang der 90er Grunge, Punktum.

Ein Mix aus Weltschmerz und Wut

Neben Nirvana galten Soundgarden als innovativste Grunge-Band, die nicht nur Krach machten (das schon auch), sondern auch echtes Gefühl mit musikalischer Potenz transportierten. Es lag wesentlich an Cornell, einem Scheidungskind aus der Mittelschicht, das früh an Depressionen litt. Denn er schrieb die meisten Texte und definierte die Grunge-Grundstimmung von Weltschmerz und Wut. 

Ähnlich wie bei Nirvana stellte sich nach einer kreativen Explosion und kommerziellem Erfolg bald eine paradoxe Situation ein. Wie soll man gegen eine Scheißwelt ansingen als erfolgreicher Millionär ohne sich lächerlich zu machen? Drogen und Alkohol hellten die Stimmung auch nicht auf. 1997 war erst mal Schluss mit Soundgarden, Cornell machte solo und später mit Audioslave weiter. 2006 überraschte er beim Bond-Lied „You know my Name“ mit sattem Sixties-Sound und stieg 2010 wieder bei Soundgarden ein. Nun ist er vergangene Nacht mit nur 52 Jahren völlig überraschend gestorben. Kurz zuvor hatte er noch ein Konzert gegeben. Die schönste Stimme des Grunge ist verstummt.

Zoran Gojic

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