Souveräner Gesang

- Wie schön, dass in dem ganzen, unsinnigen "Rigoletto"-Affentheater, das Doris Dörrie an der Bayerischen Staatsoper angerichtet hat, doch noch ein Mensch alle Aufmerksamkeit auf sich konzentriert: Diana Damrau als Gilda. Sie fragt und staunt, liebt und leidet und entwickelt sich vom weggesperrten Töchterlein zur selbstverantwortlichen jungen Frau, die sich für den untreuen Geliebten opfert.

Ihre unverkrampfte Natürlichkeit gibt auch ihrem von souveräner Kunstfertigkeit getragenen Gesang jene Spur Wahrhaftigkeit, die den Zuschauer mitfühlen lässt. So schwingt in ihrer Szene mit dem simulierten Souper in jeder hingetupften Koloratur echtes Gefühl mit.Zwei neue Partner standen Gilda bei der Festspiel-Aufführung am vergangenen Mittwochabend im Nationaltheater zur Seite: Als Vater Rigoletto nutzt Paolo Gavanelli alle Facetten seines nuancenreichen Baritons. Er trumpft breitbeinig-voluminös auf, leiht dem Hofnarren - hier Astronaut auf dem Planeten der Affen - herrische Kraft in der dramatischen Auseinandersetzung, umhegt die geliebte Tochter mit Piano-Zärtlichkeit und mischt zuletzt die intensive Farbe von Schmerz und Verzweiflung ins Porträt.Joseph Calleja muss als Herzog alle Verführungskünste in der Kehle mobilisieren, da er ansonsten als Anzug tragender Affe nur stocksteif an der Rampe herumsteht. Zum Glück gelingt es ihm rasch, in Verdis Melos einzutauchen und mit seinem unforciert-frischen Tenor so stil- wie gefühlvoll seine Liebe zu gestehen, dass sogar der Zuhörer ihm glauben möchte. Drahtig und mit der Leichtigkeit des Siegverwöhnten zieht er Bilanz - "La donna e mobile" -, doch die Regie lässt ihn im Stich, reicht vielmehr Peitsche und Handschellen. Selbst schuld, wenn er sich auf den Affen-Kiez wagt.Uninspiriert wie Dörries langweilige Inszenierung wirkte auch Zubin Mehta mit dem Staatsorchester. Es klang arg pauschal, oft zu laut, rhythmisch manchmal ungenau. Dennoch, in Momenten - meist mit der Damrau - schimmerte durch, wie Verdi klingen kann und sollte.

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