Auf der sozialen Treppe

- "Violence", "war", "suicide", "wealth" - Fabienne Audéoud säuselt, meißelt, presst einen Fluss aus wiederkehrenden Worten durch ihre Stimmbänder. Es geht um das Leben des Einzelnen im Konsum des 20. Jahrhunderts; es ist die Performance der bedeutendsten Textsammlung Josef Kramhöllers, "Genuss Luxus Stil. sstems - ideological milieu".

<P>Der kunstraum muenchen zeigt eine Retrospektive des 1968 in Wasserburg geborenen Kramhöller, der vor allem in den 90ern die Münchner Kunstszene beeinflusste und sich mit 31 Jahren in London das Leben nahm. Die kleine Ausstellung erinnert in Skizzen, Malereien, Manuskripten, Fotos, Briefen, Collagen und filmischen wie zeichnerischen Aktions-Dokumentationen an einen Experimentalkünstler, der auf vielgestaltige Weise mit den eigenen Fragestellungen zu Kapitalismus und Gesellschaft, Dilettantismus und Professionalität umging.<BR><BR>Mit sporadisch aktivem Filzstift hielt er Strichmännchen auf der "sozialen Treppe" fest; in bunter Ölgesellschaft übermalte er Kopien mit dem Kopf der Generalsekretärin der Internationalen Handelskammer ICC. Für den 1. und 21. August 1995 plante er eine "highly controversial exhibition" während des Fluges KU 172 - ob "no bob over london non stopp" aber tatsächlich realisiert wurde, ist unklar.<BR><BR>Kramhöllers Projekte strahlen einen sanften, doch bestimmten Ideologiekampf aus. Ähnlich wie Audé´ouds szenische Interpretation seiner Texte stecken sie voller kleiner radikaler Ausbrüche im objektiven ruhigen Anti-Strom. Das Spektakuläre liegt im Unspektakulären: Das zeigen vor allem acht Fotografien, für die Kramhöller seine Fingerabdrücke auf den Schaufensterscheiben von Boutiquen hinterließ. Während die Konsumwelt im unscharfen Hintergrund verschwindet, tritt die Hand-Schrift des Einzelnen bescheiden in den Vordergrund.<BR><BR>Bis 5. Juni. Mi-So 15-18 Uhr, Zieblandstr. 8. Tel. 089/ 54 37 99 00, Katalog: 19 Euro.<BR></P>

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