Später Glanz

- Musiziert ein Orchester ohne Dirigent, ist das immer ein gewisses Risiko. Doch bei einem eher klein besetzten Werk wie Joseph Haydns Symphonie Nr. 57 kann ein solches Experiment durchaus funktionieren. Allemal bei einem bestens aufeinander eingespielten Ensemble wie dem Münchner Bach Collegium. Und doch wurde man nicht restlos glücklich mit der Darbietung, die das Festkonzert der Stiftung Europamusicale eröffnete.

Unter Führung von Konzertmeister Florian Sonnleitner bot das Kammerorchester im Herkulessaal eine eher nüchterne Interpretation des Werks. Behäbig, mit deutlich hörbaren Wackelkontakten zwischen den Musikern, schleppten sich die ersten Takte der Symphonie dahin, bis man im zweiten Satz endlich zueinander fand.

Eher aus der Reserve locken ließ sich das Ensemble dagegen bei Edvard Griegs Suite "Aus Holbergs Zeit". Hier trafen Sonnleitner und seine Kollegen genau den richtigen Tonfall zwischen barocken Nachklängen und den volkstümlichen Melodien, die Grieg in seinem Opus 40 verarbeitet.

Zwiespältig blieb ebenfalls der Eindruck, den Pianist Cyprien Katsaris bei seinem ersten Erscheinen auf dem Podium hinterließ. Denn auch seine technisch makellose Interpretation von Johann Sebastian Bachs Klavierkonzert in A-Dur ließ zu Beginn noch die gewisse spielerische Leichtigkeit vermissen. Besser gelang dem Franzosen da schon der zweite Bach des Abends.

Der trug nun die Vornamen Johann Christoph Friedrich, der eher unbekannte Bach-Sohn war mit seinem Klavierkonzert in E-Dur vertreten. Hier vermochte Katsaris endlich, seine bekannten Qualitäten auszuspielen und dem Stück seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Einen Eindruck, den er mit zwei virtuosen Zugaben von Liszt und Chopin zu bestätigen wusste und so dem Abend doch noch einen dem Anlass entsprechenden, festlichen Glanz verlieh.

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