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Auf der Suche nach dem Heiligen Gral treiben die Ritter allerhand höheren Blödsinn

Kritik der Premiere am Deutschen Theater

Spamalot in München: FJS ist auch dabei

München - Das Monty-Python-Musical „Spamalot“ feierte am Deutschen Theater seine München-Premiere. Die Kritik.

Oh nein, bitte nicht! Jetzt muss auch noch der pechschwarze, noch heute radikale Humor der britischen Monty Pythons auf die Musicalbühne?! Das mag sich der ein oder andere eingefleischte Python-Fan denken. Ist das Deutsche Theater München also verbotene Zone für diese Spezies? Nein. Ist es nicht, denn „Spamalot“ funktioniert. Mögen die Ritter der Kokosnuss also sogar im kulturverwöhnten München – das wird mehr als einmal thematisiert auf der Bühne – zahlreiche Gefährten finden, die sich mit den wackeren Streitern für das Gute, Wahre und Schöne auf die Reise begeben.

Wie kann der ebenso geniale wie, pardon, saublöde Kinofilm im Theater funktionieren? Weil erstens Python-Mitglied Eric Idle den Text und teils die Musik geschrieben hat und genau weiß, was auf den Brettern klappt und was nicht. So verzichtet man etwa auf die Brückenszene am Ende mit katapultierten (armen) Rittern. Und, klar, ein Musical braucht ein Happy End. Was beim Fall der Ritter im Film ja weniger der Fall ist. Und zweitens bricht „Spamalot“ gehörig mit sämtlichen Kitsch-Elementen, die Opern-Liebende nur unter vorgehaltener Pistole und der Androhung von Luxussanierung in eines dieser pathostriefenden 08/15-Musicals treiben würde. Liebesduette werden textlich und musikalisch ad absurdum geführt. Da dürfen Nonnen in der Luft und auf dem Boden rotieren, da singt das Liebespaar im Schmatzfetzen-Duett ganz offen von seinem Sch… job auf der Bühne und einem Lied, das viel zu viele Strophen hat, um Nährwert und Seelenfutter zu bieten.

Und dann gibt es ja noch Regisseur Dominik Flaschka, der kräftig mit aktuellen (München-)Bezügen würzt – von der dritten Startbahn bis zum ungeliebten 1860er-Geschäftsführer Poschner. Mag das Stück in den ersten rund 30 Minuten im Vergleich zum Film ein bisserl betulich daherkommen, so ändert sich das mit der göttlichen Erscheinung: Gott gibt König Artus und dessen Gefolge den Auftrag, den Heiligen Gral zu suchen. Und siehe, Gott erscheint – auf Videoleinwand, erst als „Biene Maja“-Schmetterer Karel, dann im Original: nämlich als Franz Josef Strauß. Den verkörpert sein Stellvertreter auf Erden, Helmut Schleich, der mit seiner unnachahmlichen Art von der Bühnenleinwand grantelt und die Ritter auf Reisen schickt.

Ab dann reiht sich ein Gag an den anderen, stimmen Tempo, Timing, Slapstick und die Mischung aus gesprochenen und gesungenen Texten. Liebevoll unbeholfen werden Kampfhase, Kuhwurf & schwarzer Ritter, der zunehmend seiner Extremitäten verlustig wird, vorgestellt. Immer wieder gibt’s Szenenapplaus für ein engagiertes Ensemble und peppige Ideen. Die fabelhaft singende Sandra Studer als Fee aus dem See ragt aus einem erzkomödiantischen Trupp heraus.

Kleiner Wermutstropfen: Ein bisschen mehr Masse hätte das Stück schon vertragen. Mehr Chor, mehr Instrumente. Was nicht heißen soll, dass das Sextett um Hans Ueli Schlaepfer nicht gut wäre. Also: Satteln Sie Ihr Pferd (oder nehmen Sie Kokosnüsse) und reiten Sie zum Klamauk-Kammerspiel ins Deutsche Theater! Am besten nehmen Sie Ihr Burgfräulein mit. Und wenn Sie Glück haben, werden Sie vielleicht selbst zum Gralshüter. Aber mehr verraten wir nicht. Wir wollen den im Hirn leicht rostigen Rittern ja nicht ihre Arbeit wegnehmen.

Matthias Bieber

Vorstellungen bis 12. Juli, Karten: 089 / 55 23 44 44.

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