Spannend wie ein Thriller

- Der in München lebende Schriftsteller Thomas Lang hat den Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis 2005 gewonnen (22 500 Euro). Der Autor und Familienvater überzeugte die Jury mit seinem Text "Am Seil", der eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung schildert und das Ende zwischen Selbstmord und Sterbehilfe offen lässt. Lang, 1967 in Nümbrecht (Nordrhein-Westfalen) geboren, setzte sich in dem am Sonntag in Klagenfurt (Österreich) zu Ende gegangenen Wettbewerb gegen 16 Mitbewerber aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich durch.

In drei Fällen war eine Stichwahl nötig, um die Preisträger für die insgesamt fünf Auszeichnungen zu ermitteln. Julia Schoch gewann den Preis der Jury (10 000 Euro), Anne Weber den 3sat-Preis (7500 Euro), Natalie Balkow den Ernst-Willner-Preis (7000 Euro) und Sasa Stanisic den Kelag-Publikumspreis (5000 Euro). Auffällig war die starke Hinwendung zu realistisch-distanzierten Schilderungen privater Themen.

Preisträger Lang arbeitet neben dem fiktionalen Schreiben als freier Journalist für Computer-Zeitschriften und lektoriert Sachtexte. 1999 erhielt er ein Literaturstipendium der Stadt München, 2002 wurde ihm der Bayerische Staatsförderpreis Literatur und der Marburger Literaturpreis zuerkannt. Zu seinen Veröffentlichungen gehören neben Texten in Literaturzeitschriften der Debütroman "Than" (2002) sowie "Sex-Monster" in dem Sammelband "Neue deutsche Liebesgeschichten" (2005).

Ein "Suspense-Thriller", eine "endlose Kameraeinstellung ohne Schnitte": Wie einen Film haben die Juroren in Klagenfurt den Text des neuen Bachmann-Preisträgers Thomas Lang beschrieben. Nicht zufällig: Der Autor nennt selbst als großes Interesse die Filme eines David Lynch, Stanley Kubrick oder Luchino Visconti. Freundlich und verbindlich, fast ein wenig verlegen wirkt Thomas Lang, als er nach der schwierigen Juryentscheidung als frisch gekürter Bachmann-Preisträger den Blumenstrauß entgegen nimmt.

Die Nähe zum realen Alltag ist für ihn literarisches Programm. "Wir brauchen Stoffe, die eine Berührung mit der Gesellschaft haben", fordert er: "Literatur steht nicht als erratischer Block in der Landschaft, sondern braucht die Kommunikation." Diese Verbindung zu sozialen Themen findet sich in seinem Siegertext auf mehrfacher Ebene. In der Erzählung "Am Seil" schildert Lang eine Extremsituation zwischen Vater und Sohn: Der alte, gehbehinderte Vater möchte eine Leiter in der Scheune erklimmen, der Sohn steht zunächst dabei, hilft ihm schließlich mit einem Seil. Der verzweifelte Kampf des Vater beginnt - Zentimeter für Zentimeter.

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