Spannend und überzeugend wie am ersten Tag

- Autodafé hin oder her - "Don Carlo" ist eigentlich ein Kammerspiel. Das wusste der verstorbene Regisseur Herbert Wernicke genau und inszenierte es auch, sogar auf der Breitwandbühne des Großen Salzburger Festspielhauses, wo seine Version von Verdis Schiller-Oper wieder aufgenommen wurde. Mit großem Erfolg.

<P>Erstaunlich, dass diese doch schon fünf Jahre alte Inszenierung (vieraktige Fassung) immer noch mehr Binnenspannung und mitreißende Kraft besitzt, als die in diesem Sommer neuen "Hoffmanns Erzählungen". Wernicke hat die Bühne mit schwarzen und weißen Versatzstücken einer erdrückenden Machtarchitektur bestückt und dazu martialisch-bedrohliche, riesige, goldene Waffenspitzen gepflanzt. Seine Assistentin Karin Voykowitsch hat das Spiel in diesem Ambiente lebendig gehalten und dafür gesorgt, dass auch mit zum Teil neuen Protagonisten die Geschichte um Liebe und Intrige, politische und kirchliche Macht nicht an Spannung und Überzeugungskraft verloren hat.<BR><BR>Selbst wenn das darstellerische Niveau der Sänger unterschiedlich ausfällt. Johan Botha in der Rolle des schwärmerisch verliebten Infanten stand unbeweglich herum. Obwohl er dem Carlo mit metallischem Tenorglanz und souveräner Linienführung bis in die Höhenlagen auf die Beine half, reagierte das Publikum beim Titelhelden zurückhaltender als bei seiner angebeteten Elisabetta.</P><P> Adrianne Pieczonka, in München bestens bekannt, ließ bei ihrem Salzburg-Debüt ihren sicher geführten stets rund und warm klingenden Sopran aufleuchten und durchlitt einfühlsam den Konflikt zwischen Liebe und Pflicht. Olga Borodina gehört als Prinzessin Eboli schon zum eisernen Bestand der Inszenierung. Sie wischte mit ihrem farbenreichen, dunkel glühenden Mezzo alle eventuellen Einwände gegenüber ihrer ungeschmeidigen Darstellung beiseite. Überzeugend in Gestalt und Stimme erwiesen sich erneut Ferruccio Furlanetto als Filippo II. und Dwayne Croft als Marquis Posa. Er imponierte mit viriler Präsenz und einem biegsamen Bariton.<BR><BR>Die hochkarätige Sängercrew wurde von Valery Gergiev am Pult der Wiener Philharmoniker opulent begleitet, punktuell auch übertrumpft. Denn Gergiev installierte die todbringende Macht der Inquisition mit stählernen Blechklängen. Zum Glück stellte er diesen gewalttätigen Ausbrüchen und den fast hysterisch überhitzten Volksauftritten des fulminanten Wiener Staatopernchors Szenen von eindringlicher Intimität - Tod Posas, Abschied Carlo/ Elisabetta - gegenüber. So geriet Verdis Oper wieder einmal zum packenden Salzburg-Erlebnis. <BR><BR></P>

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