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Susanne Uhlen, die als Kieling Regie führte, spielt eine Blinde, die sich von Gangstern nicht einschüchtern lässt. Pascal Breuer gehört zu dem Verbrecher-Trio, das denkt, bei der blinden Susy leichtes Spiel zu haben.

Spannung pur in der Komödie

München - Wenn das kein Renner wird! Frederick Knotts Kriminalstück „Warte, bis es dunkel ist“ feierte soeben umjubelte Premiere in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof.

Susanne Uhlen hatte sich von der legendären Verfilmung (1967) mit Audrey Hepburn nicht einschüchtern lassen, übernahm Hauptrolle und Regie (unter ihrem Mädchennamen Kieling). Und lieferte Spannung von Anfang bis Ende.

Es ist kein „Wer war’s?-Krimi“. Die Story ist noch ausgefuchster erfunden: ein Schurken-Trio – Pascal Breuer, Sebastian Goder und Torsten Münchow mit gefeilten Charakter-Profilen –, auf der Suche nach einer unscheinbaren, aber mit Diamanten gefüllten Puppe, dringt in das New Yorker Hochhaus-Appartement von Sam und Susy Hendrix ein. Sam, dem eine Fremde das harmlose Spielzeug zur kurzzeitigen Aufbewahrung anvertraut hatte, wird auf einen angeblichen Geschäftstermin gelockt. Mit der durch Unfall erblindeten Susy glauben sie leichtes Spiel zu haben.

Die Regisseurin hat diesen Knott rundum mit zeitgenössischem Stilgefühl angepackt: funktional-alltagsnah Thomas Peknys Bühne und die „Bekleidung“ von Stützinger/Schuler. Sie hat das Stück gekürzt und voll auf Tempo und Körperlichkeit gesetzt. Und das gleich zu Beginn mit dem sogar Verbrechen in Erzkomödiantisches wandelnden Sebastian Goder: hier ein gerissen-arroganter, ein krankhaft-lustvoller Menschen-Manipulierer, der am Ende schräg-schrill, singend, tanzend, dem Psychopathen in sich freie Bahn gibt. Torsten Münchow und Pascal Breuer sind die profitgierigen Mitläufer-Ganoven, die auch Ängste, sogar Mitgefühl für das Opfer durchscheinen lassen.

Und Uhlen macht nicht nur das Blindsein ihrer Susy selbstverständlich glaubwürdig. Sie zieht einen auch total hinein in diese emotionale Achterbahn zwischen Erschrecken, Todesangst, Hoffnung und ihrer kämpferischen Haltung – die letztlich Ur-Instinkt ist, auch als Blinde im Leben zurechtzukommen. Damit bekommt das Krimi-Stück eine menschliche Tiefe.

Ja, es gibt vier Tote. Prinzipalin Margit Bönisch hatte von ihrer Vorgängerin Isebill Sturm so etwas wie einen Rat bekommen: „In meinem Theater stirbt niemand auf der Bühne“. Das ist über 25 Jahre her. Heute zappen wir uns zur Entspannung durch TV-Krimis und Thriller! Und dieser ist live: echt „thrilling“.

Malve Gradinger

Weitere Vorstellungen bis 5. Januar;

Telefon 089/ 29 16 16 33.

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