Spaß mit Canadian Brass

- Es ist nicht ganz einfach zu beschreiben, was genau Canadian Brass veranstalten. Man könnte vielleicht sagen, die Musik der Herren ist ein wenig wie ihre Bühnenkleidung: Anzug und Turnschuhe. Leichtfüßig und doch akkurat reißen die Kandier bereits seit 35 Jahren Musik aller Epochen und Stile an sich und verwandeln sie in Blasmusik. Chuck Daellenbach, der Mann an der Tuba, bezeichnet (man spricht übrigens Deutsch) die Gruppe im Laufe des wunderbaren Konzerts im Münchner Herkulessaal einmal als Kammermusik-Kapelle. Natürlich ist das eine freche Untertreibung.

Denn was Canadian Brass mit Tuba, Posaune, Horn und zwei Trompeten erzeugen, klingt mitunter geradezu symphonisch. Das ist auch das Erfolgsgeheimnis des virtuosen Quintetts. Es arrangiert perfekt auf den Klang und das Potential der Instrumente. Und weil sie ebenso furchtlos wie geschickt sind, gelingt es ihnen ohne Weiteres, Mozart, Bach, Händel mit Jazz und Spirituals unter einen Hut zu bringen. Selbst eine komplette Oper führen sie auf und schaffen es, "Carmen" in einer Viertelstunde zu zeigen, ohne Gesang, aber mit allen wesentlichen Handlungssträngen. Das freilich geht nur mit viel Humor, und den haben die Kanadier.

Musik macht Spaß, und zwar zuallererst einmal ihnen. Dass es sich nicht um routinierte Show handelt, kann man leicht bei dem Belgier Jeroen Berwarts feststellen. Der ist kurzfristig für ein erkranktes Mitglied eingesprungen und spielt sonst im Rundfunkorchester des NDR. An diesem Abend sieht man ihm jede Minute an, dass er wirklich Freude daran hat, nicht ernst tun zu müssen, wenn er seinem Beruf nachgeht. Man albert herum und spielt sich dann makellos und inspiriert durch die Musikgeschichte.

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