Spaziergang

- Lediglich ein paar versprengte Auftritte. Und jene auch noch mit Spitzen jenseits des "C" gespickt, die nur durch überhöhten Pressdruck, mühevolles Fisteln - oder eben perfekte Technik erreicht werden können: Für Tenöre ist der Arturo ("I puritani") ein Himmelfahrtskommando im Doppelsinn. Wenige wagen sich an Bellinis Zumutungen, unter anderem jetzt Raul Hernandez an der Bayerischen Staatsoper, der für Gregory Kunde eingesprungen war.

<P>Kein Ehrfurcht gebietender Stimmbesitzer, gewiss. Aber ein Sänger, dessen Zurückhaltung sich auszahlte, wirkte doch der überwiegende Teil der Partie nicht bloß bewältigt, sondern klug interpretiert. Der oft beengte Klang mag dem Debüt-Fieber geschuldet sein - und dem Respekt vor der Partnerin. </P><P>Denn wer neben Edita Gruberova auf der Bühne steht, hat verloren, besonders in Duett-Situationen: Was der männliche Part unter Strapazen produziert, gelingt la Belcantissima wie mühelos. Die Elvira ist für die Gruberova, gemessen an Lucia oder Anna Bolena, ohnehin ein Sopran-Spaziergang, wobei ihre Deutung noch immer Lichtjahre entfernt von der Konkurrenz rangiert.<BR><BR>Roberto Scandiuzzi (Giorgio) und Paolo Gavanelli (Riccardo) steuerten flauschigste Phrasierungen bei - Bellini liegt den Herren hörbar besser als ihre meist forcierten Verdi-Helden. Friedrich Haider gab am Pult des Staatsorchesters den kundigen Koordinator. Und Jonathan Millers Regie verharrt noch immer in halbgefrorenen Bildern: Bellinis Schlagerparade als kostümiertes Konzert, damit wäre jeder Regie-Student durch die Prüfung gerasselt.<BR></P>

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