Zum Speisen nach Spanien

Zwölfte documenta: - Schon drei Tage vor Beginn hat die zwölfte Documenta in Kassel für einen neuen Rekord in der 52-jährigen Geschichte der weltweit größten Schau der Gegenwartskunst gesorgt. Noch nie zuvor waren so viele Medienvertreter aus dem In- und Ausland bei der Eröffnungskonferenz in der Stadthalle versammelt.

Der Leiter der Documenta, Roger M. Buergel, und seine Lebensgefährtin Ruth Noack, Kuratorin der vom 16. Juni bis zum 23. September dauernden Schau, enttäuschten die gespannten Erwartungen der rund 2 700 Journalisten. Buergel ersparte sich eine kompakte Zusammenfassung seiner Konzeption, zu der er schließlich einen 415 Seiten starken Katalog vorgelegt hat. Der 44-Jährige präsentiert mit einem Etat von insgesamt 19 Millionen Euro mehr als 500 Werke von 113 Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt dem Publikum.

Gleich zu Beginn seiner demonstrativ kurzen Ausführungen stellte sich Burgel eine Frage, nämlich was er "hier eigentlich tue". Die Antwort blieb er freilich schuldig. Buergel verwies nebulös auf den "ästhetischen Geist" der Ausstellung. Immerhin wurde erkennbar, dass er bei der von ihm verantworteten Auswahl der Künstler und ihrer Arbeiten nach einer anderen Möglichkeit als "Identität oder Differenz" sucht. Buergel hat nach eigenen Worten vielmehr "Durchlässigkeit" und eine "Migration der Formen" im Sinn.

Wie das alles zu verstehen sein könnte, erklärte der Documenta-Leiter indes nicht. Doch das soll die Kunstschau ja auch in den nächsten Monaten zeigen. Die auf der Pressekonferenz anwesenden fünf Künstler äußerten sich auf Englisch oder Französisch über ihre Arbeiten. Die amerikanische Konzept-Künstlerin Mary Kelly ist mit einer Lichthaus-Installation vertreten, die palästinensische Künstlerin Ahlam Schibli mit einer Fotoserie über das Leben ihrer Landsleute.

Der Afrikaner Romuald Hazoumé zeigt ein aus Benzinkanistern gebautes Boot. Landschaftsbilder stellt der Chilene Juan Davila in Kassel aus. Die Argentinierin Alejandra Riera hat eine Medien-Installation für die Documenta geschaffen. Zu den wenigen auf der bedeutenden Kunstschau vertretenen großen Namen gehört der deutsche Maler Gerhard Richter.

Kuratorin Ruth Noack kündigte an, dass der katalanische Starkoch Ferran Adrià nun doch nicht in Kassel, sondern fernab in seinem Luxusrestaurant "elBulli" in Spanien extravagante Speisenfolgen anrichten wird. An den 100 documenta-Tagen wird ein Zwei-Personen-Tisch für documenta-Gäste an der Costa Brava reserviert. Das für seine experimentelle Küche berühmte "elBulli" sei damit ein Standort der Documenta, meinte Buergel. Die documenta-Leitung werde die Tische für die Gäste Adriàs mit "Willkür" vergeben, ohne nähere Angaben zu machen. "Wer mich darauf anspricht und sich bewirbt, hat schon verloren", Bewerbungen seien zwecklos. Die Reisekosten spendiert der spanische Tourismusverband, das Essen kostet die eingeladenen Gäste nichts. Adriàs Kasseler Gastspiel war vor einigen Monaten als besondere Attraktion angekündigt worden.

Nicht abgesagt wurde allerdings die spektakuläre Aktion des chinesischen Künstlers Ai Wei Wei, der 1001 Landsleute, darunter Bauern, Arbeiter und Polizisten nach Kassel einfliegen und eine Woche lang durch die Straßen der Stadt laufen lassen will. 

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