Bud Spencer: Das Freibad und sein Nilpferd

In Schwäbisch Gmünd wird am Freitag das Schwimmbad nach Bud Spencer benannt und eine Sommerposse beendet.

Der heutige Tag in Schwäbisch Gmünd folgt einem strengen Protokoll, das wahrlich einem Staatsbesuch zur Ehre gereichen würde. Um zehn Uhr trägt sich der Gast ins Goldene Buch der Stadt ein und stellt sich anschließend den Fragen der Presse, um 11.30 Uhr findet die „Umbenennungszeremonie“ am Freibad der 60 000-Seelen-Stadt statt. Das Programm wird um 17 Uhr im örtlichen „CongressCentrum Stadtgarten“ mit einer Signierstunde fortgesetzt, bevor eine Podiumsdiskussion an selber Stelle den Tag beschließt. Erwartet wird in Schwäbisch Gmünd aber kein Politiker, sondern ein 82 Jahre alter Italiener, der seinen Ruhm vor allem Doppel-Backpfeifen und Dampfhammer-Schlägen verdankt: Bud Spencer.

Bud Spencer in München: Riesen-Ansturm bei Hugendubel

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Wer verstehen will, warum der Mann, der 1929 als Carlo Pedersoli in Neapel geboren wurde und vor allem im Duo mit Landsmann Terence Hill in Spaghetti-Western ein Millionen-Publikum begeisterte, heute in den Osten Baden-Württembergs reist, muss in den Sommer zurückblicken: Damals ließen die Gmünder Stadtväter im Internet über den Namen eines neuen Tunnels an der Bundesstraße 29 abstimmen, der bis zum Dezember 2012 fertig gebaut werden soll. Womit die Politiker allerdings nicht gerechnet hatten: Auf der Internet-Plattform Facebook gründete sich eine Gruppe, die zuletzt mehr als 23 000 Mitglieder zählte und die vehement dafür warb, den Tunnel nach Bud Spencer zu benennen. Als die Abstimmung endete, hatten 114 542 Menschen für diesen Vorschlag gestimmt. Zum Vergleich: Gerade mal 107 votierten dafür, dem Tunnel den Namen von Bundestrainer Jogi Löw zu geben.

So blickten im Juli plötzlich alle nach Schwäbisch Gmünd, die Debatte schaffte es in die Nachrichten von ARD und ZDF. Doch die Stadt entschied, dass die vier Kilometer lange Unterführung „Einhorn-Tunnel“ heißen soll (nach dem Wappentier des Orts) und stattdessen das Freibad, das bislang Gmünder Schießtal heißt, heute auf den Namen Bud Spencer getauft wird. Schließlich war der Italiener im Jahr 1951, zu seiner Zeit als Leistungsschwimmer, hier bei einem Länderkampf zwischen seiner Heimat und Deutschland angetreten. Für Bud Spencer ist dieser Kompromiss eine feine Sache: „Ich bedanke mich bei den Leuten, die die Idee hatten, den Tunnel nach mir zu benennen“, erzählt er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Aber das Freibad ist mir wichtiger, denn dort bin ich schon geschwommen. Deshalb erinnere ich mich auch gern an Schwäbisch Gmünd, weil das mit meiner Zeit als Sportler zu tun hat. Alles, was danach gekommen ist, wurde vom Publikum zum Erfolg gemacht.“

Pedersoli, der sich einst für ein Jura-Studium einschrieb, dieses aber aufgrund anderer Verpflichtungen erst mit 45 Jahren beenden konnte, legte vor der Schauspielerei eine beachtliche Karriere als Schwimmer hin: Von 1950 an war er sieben Jahre in Folge italienischer Meister im Brustschwimmen und der erste Italiener, der die 100 Meter unter einer Minute schwamm. In den Jahren 1952 und 1956 nahm er an den Olympischen Spielen teil und gehörte auch zum Kader der italienischen Wasserball-Nationalmannschaft. Als er 37 Jahre alt war, übernahm er seine erste Filmrolle: „Eigentlich sollte ich nur einen Film machen. Bis heute habe ich 118 gedreht und bin froh, dass ich Schauspieler geworden bin.“ Aus dem Schwimmer Pedersoli wurde der Italowestern-Haudrauf Bud Spencer, dessen Filme „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ (1970), „Vier Fäuste für ein Halleluja“ (1971), „Auch Engel essen Bohnen“ (1973) oder „Das Krokodil und sein Nilpferd“ (1979) heißen. Und während den Sportler heute nur Fachleute noch kennen, ist „Mücke“, „Plattfuß“ oder eben „Nilpferd“ (so die Synonyme für Spencer in einigen Filmtiteln) bis heute Kult - vor allem in Deutschland: Von seiner im April erschienenen Autobiografie „Mein Leben, meine Filme“ (Schwarzkopf & Schwarzkopf, 256 Seiten; 19,95 Euro) wurden bislang rund 125 000 Exemplare verkauft, inzwischen ist die siebte Auflage in den Läden. Das Buch führte zeitweise die „Spiegel“-Bestsellerliste an.

Kein Wunder also, dass man in der Gmünder Stadtverwaltung angespannt den heutigen Tag vorbereitet hat. Erwartet werden bis zu 2000 Menschen, wobei der Mitarbeiter der Pressestelle sofort einräumt, dass „überhaupt nichts“ sicher sei. Noch einmal will man sich hier nicht von der Bud-Spencer-Welle überrollen lassen. Der Italiener freilich bleibt gelassen: „Ich bin immer Carlo Pedersoli geblieben. Wenn die Fans heute sagen: ,Wir interessieren uns nicht mehr für Bud Spencer‘, dann ist das passé. Darauf habe ich keinen Einfluss. Die Lehren, die ich aus dem Sport gezogen habe, bleiben dagegen.“

Von Michael Schleicher

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