Spezialist für die Abgründe

- Er gehört zu den ganz großen Menschendarstellern. Umso trauriger ist es, dass Hans-Michael Rehberg in München sein Theater-Zuhause verloren hat. Hätte er hier nicht unlängst im Volkstheater den "Verkauften Großvater" gespielt _ eines der spektakulärsten Bühnenereignisse der vergangenen Jahre, wofür er mit dem Merkur-Theaterpreis 2000 ausgezeichnet wurde -, hätte ihn das hiesige Publikum fast aus den Augen verloren.

<P>Morgen wird Rehberg, dieser tragische und abgründige, irrwitzige und still-explosive Künstler, dieser Seelen-Kenner und -Könner, 65 Jahre alt.</P><P>Heute lebt der Schauspieler, dessen Vater der Dramatiker Hans Rehberg war, in Berlin. Dort probt er derzeit an der Schaubühne Brechts "Im Dickicht der Städte". Aber mit dem Namen Rehberg verbinden sich ganz andere Theaterzentren - Wien, Salzburg, München.</P><P>Hier war er erstmals 1963 am Residenztheater zu sehen, dem er zehn Jahre lang die Treue hielt. Es folgten die Münchner Kammerspiele, das Hamburger Schauspielhaus und - erneut das Residenztheater, wo er in den 80er-Jahren u. a. Heinar Kipphardts "Bruder Eichmann" spielte und Ibsens "Baumeister Solneß".</P><P>Aber Rehberg war auch - in sehr exzentrischer, radikaler, sensationeller Interpretation - Shakespeares "Othello". Heute sagt dieser große, natürlich unbequeme Charakterdarsteller, der nicht unterscheiden will zwischen alter und neuer Dramatik: "Klassiker gibt es nicht. Shakespeare schreibt so moderne Sätze, da wüsste ich nicht, was ich vermissen sollte." Vermisst wird der Schauspieler hier. Die Theatermetropole München muss ihn zurückgewinnen.<BR></P>

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