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Der Kopf der Sphinx von Hattuscha im Berliner Pergamonmuseum.

Sphinx verlässt Berlin - Nofretete bleibt

Berlin - Die Sphinx von Hattuscha wird wohl in die Türkei zurückkehren, Nofretete aber bleibt Berlin erhalten.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann deutete am Mittwoch nach einem Gespräch mit dem türkischen Kulturminister Ertugrul Günay die Bereitschaft zur Rückgabe an. Mitte April soll es in der Türkei dazu ein weiteres Gespräch geben. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, betonte, der Streit mit Ägypten über Nofretete sei völlig anders gelagert.

Die Büste bleibe auf jeden Fall in Berlin. Günay hatte eine Rückgabe der im Pergamonmuseum ausgestellten Sphinx bis Juni gefordert und gedroht, ansonsten werde dem Deutschen Archäologischen Institut (DAI) die Grabung in Hattuscha entzogen. Neumann (CDU) sagte nach dem Treffen mit Günay am Dienstagabend im Kanzleramt, eine Lösung halte er für möglich, “da es sich dabei um einen nicht vergleichbaren Einzelfall handelt, aus dem Rückschlüsse auf sonstige Rückgabefragen nicht gezogen werden können“.

Bei dem Treffen im April sollten insbesondere die Intensivierung der deutsch-türkischen Zusammenarbeit im Museumsbereich wie auch bei archäologischen Ausgrabungen erörtert werden.

“Absoluter Sonderfall“

Parzinger bezeichnete in einem dapd-Interview eine eventuelle Übergabe der rund 4.000 Jahre alten geflügelten Löwenfigur an die Türkei als “absoluten Sonderfall“. “Bei einer solchen Geste auf freiwilliger Basis sollte aber der Partner auch Entgegenkommen zeigen.“ Parzinger betonte, es gebe keine Grundlage für eine Restitution der Sphinx, die im Pergamonmuseum steht. “Es wäre eine freiwillige Geste Deutschlands, die dann in Kooperationen eingebunden sein sollte.“

Es gehe nicht darum, dass die Türkei dafür andere Stücke gebe. Es gehe um Kooperationen, im Rahmen derer bedeutende Objekte zur Präsentation und Erforschung verliehen würden. Parzinger sagte, es gebe keine Dokumente, die belegten, wem die Skulptur nun gehöre. Zwischen 1906 und 1911 hätten die deutsch-türkischen Gemeinschaftsgrabungen stattgefunden - und in dieser Zeit habe es die letzten Fundteilungen gegeben. Es könne durchaus sein, dass man seinerzeit die Sphinx als Gegenleistung für die Aufarbeitung von Tontafeln, die ebenfalls gefunden wurden, in Berlin behalten habe.

Völkerrechtliche Unterschiede

Die weltberühmte Nofrete jedenfalls werde keinesfalls zurückgegeben, sagte Parzinger. “Bei Nofretete ist die Aktenlage völlig eindeutig und spricht für uns. Die Fundteilung und die Übergabe sind bestens bis in alle Details belegt“, betonte er. Zudem habe die ägyptische Regierung nie eine Rückgabeforderung gestellt, erklärte Parzinger. Es sei der damalige Chef der Ägyptischen Altertümerverwaltung, Zahi Hawass, gewesen, der das Thema immer wieder öffentlichkeitswirksam aufgebracht habe. “Von der Regierung gab es nie eine entsprechende Verbalnote.“ Bei der Sphinx jedoch sei es ein türkischer Regierungsvertreter gewesen, “der sich an uns wandte“. 

Drohung scharf kritisiert

Scharf kritisierte Parzinger die Drohung der Türkei, Grabungslizenzen zu entziehen, falls die Sphinx nicht zurückkommen würde. “Das kann keine Basis sein für eine Geste der Freundschaft und konstruktive Gespräche, die wir führen möchten. Wir werden uns nicht erpressen lassen“, sagte er. Die Sphinx wurde 1907 bei türkischen Grabungen an Anatolien gefunden, an denen deutsche Archäologen beteiligt waren.

1915/1917 wurde sie zusammen mit einer zweiten Sphinx zur Restaurierung und wissenschaftlichen Erforschung an das Vorderasiatische Museum nach Berlin geschickt. Die besser erhaltene Figur wurde 1924 an die Türkei zurückgegeben. Die andere steht seit 1934 als Zeugnis der hethitischen Hochkultur in Berlin. 

Von Holger Mehlig

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