Rom als Spiegel der Welt von heute

- Er entstammte keiner Adelsfamilie, hatte hinter sich keine Armee, er verfügte nicht über ein gewaltiges Vermögen. "Er hatte nur eines - seine Stimme. Und mit der schieren Kraft seines Willens machte er aus dieser die berühmteste Stimme der Welt."

 Die Rede ist von Marcus Tullius Cicero (106-43 v.Chr.): Als Politiker wie als Philosoph ist dieser Gegenspieler Caesars und letzte Republikaner des alten Rom eine der großen historischen Gestalten -bis heute berühmt als Verkörperung klassischer "Römertugend", der Verbindung von Moral und Politik. Robert Harris’ "Imperium" ist ein Geschichtsroman.

Aber im Unterschied zu den bisherigen Werken des 49-jährigen britischen Ex- Journalisten, der bereits vier Weltbestseller schrieb (u.a. "Enigma"), die alle historische Vorgänge zum Hintergrund haben, hat sich Harris diesmal einem Charakter zugewandt: So ist "Imperium" auch eine genau recherchierte, mit vielen Details gespickte Biografie von Cicero.

Wer hätte zum Beispiel gewusst, dass er gern Kichererbsen aß (deswegen der Spitzname Cicero)? Harris hat eine ganz erstaunliche Gabe, die Welt von vor über 2000 Jahren plastisch werden zu lassen. Dafür hat er sich einen Kunstgriff einfallen lassen: Das Buch hat die Form einer Quelle aus erster Hand. Erzähler ist Tiro, Ciceros Privatsekretär. Sowird "Das Imperium" ein rasanter politischer Thriller.

Harris behandelt darin die ersten 15 Jahre von Ciceros Karriere. Die kommenden 20 sollen folgen. Seine Sprengkraft erhält "Das Imperium" dadurch, dass dieses packende Porträt des alten Rom unverhohlen auf die Gegenwart zielt. Die späte Römische Republik war eine Zeit der permanenten Krise. Im Zentrum steht ein Weltreich, das sich modernisieren musste.

"Roms 9/11" war "der Angriff der Seeräuber auf die konsularische Flotte im Jahr 67". Damals hat das Weltreich nicht die richtige Antwort gefunden, am Ende stand die Niederlage des Musterrepublikaners Cicero und der Verlust der republikanischen Freiheiten. "Dieser Roman ist das Produkt einer Obsession für Politik" sagt Harris.

"Ich habe mich für Politik immer so interessiert, wie andere sich für Fußball interessieren, und Cicero fasziniert mich, weil er der ultimative Profi in einem ultimativen Sport ist." Politik kann spannend wie Fußball sein, ganz bestimmt jedenfalls, wenn Robert Harris von ihr erzählt.

Robert Harris: "Das Imperium".

Heyne Verlag, München,

480 S., 19,95 Euro .

Der Autor liest heute, 09. Oktober 2006, 20 Uhr im Literaturhaus München.

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