Von Spiegeltüren und Steinteppichen

- Marco Schuler gräbt sich seine eigene Grube und schaufelt sich aus seinem Video hinaus. Damit könnte er sich mitten hinein katapultieren in die Auswahl einer Jury, die sechsmal 6000 Euro zu vergeben hat. Mit seinen radikal-banalen Videos bewirbt sich der Münchner um einen der städtischen Förderpreise.

<P>In der Kategorie Bildende Kunst ist die Konkurrenz am härtesten: Karin Bergdolt trifft genau in die Stadtseele, wenn sie "haben - wollen - brauchen -sehnen" auf ein Abbruchhaus schreibt oder in der Maxvorstadt für die Besetzung öffentlicher Räume das Interesse von Kindern weckt.</P><P>Eva-Maria Weinmayer sticht mit ihrer naturnahen Kunst hervor, legt Steinteppiche in Vorgärten und verkleinert Häuser zu Spielzeugarchitektur. Die Einbeziehung des Umfeldes, die Konfrontation mit Werbung und Moden erfährt bei ihr eine witzige und dekorative Ausarbeitung. Auch haubitz + zoche spielen mit dem Umraum, zwischen doppelten Spiegeltüren erfährt der Besucher neue Blickwinkel der Selbstbeobachtung und auch einer  Raumverzahnung.</P><P>Die Vielfalt der Preisanwärter in der lothringer 13 ist ein Querschnitt durch Münchens Kreativität, die besonders im Bereich Architektur überzeugt. Frank & probst kombinieren schlicht Blockbauten mit auskragenden, lichtdurchfluteten Wintergärten, stellen die Häuser auf Stelzen und lassen Bäume in die Räume wachsen. Unterlandstötter und Schmöller sind breit gefächert, folgen aber stets der außergewöhnlichen Maxime, die Eigenheiten des Bauherren in den Entwürfen sichtbar zu machen.</P><P>Mit Idealvorstellungen einer Traumfabrik beschäftigt sich Petra Gerschner, Bereich Fotografie. Die Silhouetten von Coney Island ragen wie eine Fata Morgana aus den Sandweiten auf. Das Spektrum der angewandten Kunst reicht von Mode über Schmuck bis zu Industrie- und Grafikdesign. Zeitgeistig ist Thorsten Francks spartanischer, mobiler und Platz sparender Beitrag zum brettlflachen Klappmöbel.Freia Oliv</P><P>Bis 27. April; Infos unter Telefon 089/ 23 32 43 82.<BR></P>

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