Spiel der Gaukler

- Revolutionen finden nur noch auf dem Theater statt. Als Spiel der Komödianten. Am Ende, wenn die Wirklichkeit so verlaufen ist, wie in ihren Aufführungen vorgegeben, debattieren die Gaukler politisch weiter ­ ernst, wichtig und wirkungslos. Das Schicksal der Kunst und der Künstler? Die Beschäftigung mit Fragen dieser Art war wohl die Grund-Intention des Regisseurs Roland Hüve für seine Inszenierung "Dantons Tod" von Georg Büchner (1813-1837) am Augsburger Stadttheater.

Das grandiose Drama über den desillusionierten Helden der Französischen Revolution, den Genussmenschen Danton, dessen Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner, dem Tugendprediger Robespierre, unter der Guillotine endet, ist zu jeder Zeit höchst aktuell. Die scharf geschliffenen Dialoge, Reden, philosophischen Betrachtungen ­ eine Aufforderung zum Mitdenken und ein intellektueller Genuss.

Neben diese Szenen hat Büchner die so genannten Volksszenen gesetzt. Sie stellen heute gewiss die größte Schwierigkeit einer "Danton"-Inszenierung dar. Oberspielleiter Hüve wusste sich zu helfen. Er hat sie den drei immer wieder auftretenden Spaßmachern übertragen, die auf ihrem Bretterwagen grell und marktschreierisch das Geschehen vorwegnehmen, verdichten, ergänzen. Und es kommt so etwas auf wie Grand-Guignol-Stimmung, was der Aufführung insgesamt gut tut.

Denn das Hauptproblem dieser Inszenierung ist die viel zu große Bühne (Gregor Wickert): leer, offen und ziemlich dunkel, einzig ausgestattet mit einem dreistöckigen, roten Gerüst. Es soll Konvent, Wohlfahrtsausschuss, Wohnung, Bordell oder auch mal Straße sein.

In dieser Ort- und Zeitlosigkeit gelingt es kaum, Handlung und Text zu konzentrieren. Und so verlieren sich hier die Figuren in der Weite der Bühne. Dagegen müssen die Schauspieler anspielen, müssen die ideologische und gefühlsmäßige Not ihrer Figuren glaubhaft und fesselnd darstellen, was ihnen nur teilweise gelingt; am besten Robert Arnold als Robespierre. Bei Frank Siebenschuh in der Titelrolle weiß man nie ganz genau: Ist es die Eitelkeit Dantons oder die des Schauspielers, die keinen Zweifel an sich zulässt?

Aber nur nicht mäkeln: Gemessen an dem zuletzt im Neuen Haus der Münchner Kammerspiele gezeigten "Dantons Tod", ist die Augsburger Arbeit ein akzeptabler, ernstzunehmender, nicht unsympathischer Versuch.

Nächste Termine: 16., 18., 23., 27., 28. Februar. Tel. 0821/ 324 49 00

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