Spiel mit Glaskörpern

- Büroflächen stehen leer in München. Allzu viele Investoren haben an die Ewigkeit der fetten Jahre in der bayerischen Landeshauptstadt geglaubt und manches Viertel mit Verwaltungsbauten zugestellt. Wohnungen für den Normalbürger sind dagegen Mangelware. Eine vernünftige Steuerung gelingt der Kommune nicht. Die Macht des Kommerzes ist größer. Ein Komplex, der sich gegen die fade Form der Büro-Maschinen, gegen simple Zimmer-Stapelware, gegen optische Bluffs ohne architektonischen Sinngehalt abzuheben versucht, ist "Nymphe 3"; am Anfang der Nymphenburger Straße gegenüber vom Löwenbräu-Keller gelegen, vom Bauherrn Gewerbegrund "Bürolandschaft mit Ambiente" tituliert.

<P>"Betz Architekten" haben zwar ebenfalls der aktuellen, jedoch schon ziemlich nervenden Mode der komplett verglasten Kisten gehuldigt, aber mit ihren Kuben doch ein recht munteres Spiel begonnen. Leider ist das von der Nymphenburger Straße aus bis auf einen ungewohnten Knick in der Fassade nicht zu erkennen. Erst wer sich in den lang gestreckten Innenhof und Durchgang zur Karlstraße wagt, kann die Glaskörper-Varianten entdecken.</P><P>Zwischen Düsternis und Lockerheit</P><P>Ein weiteres Wohlfühl-Hemmnis sind die dunkel getönten Scheiben. Von außen machen sie einen düsteren Eindruck (für die Benutzer innen ist der Licht-/Hitzeschutz natürlich angenehm). Erst auf den zweiten Blick werden die heiteren Elemente deutlich: die "gefalteten" Fassaden, die verschieden hohen und gegeneinander versetzten sechs Trakte (plus Garten-Pavillon), die zum Teil bunten Fensterrahmen, die rote Eingangswand, die blaue, geschwungene Treppe im Hauptfoyer, das rot-weiße Treppenhaus eines anderen Flügels, das sich zur konstruktivistischen Plastik mausert, die begrünten Dächer und der kleine Wasserlauf. </P><P>Diese erfreuliche Lockerheit zwischen einem Hochhaus aus den 60er-Jahren am Stiglmaier-Platz, das gerade total renoviert wird, und dem Brauerei-Gelände (Karl-, Nymphenburger- und Sandstraße) ist dem Entgegenkommen der Stadt - Stichwort: Bebauungsplan - zu verdanken. Schade nur, dass sich diese urbane Zelle nicht optimal entfalten kann, denn sie befindet sich in schwieriger Nachbarschaft. Städtebaulich bietet sich der Platz und der Anfang der Straße wirr und verzettelt dar. Zeigt die Vorkriegsbebauung mit dem Rest-Rondell und Bierkeller/-garten noch eine klare architektonische Zielrichtung, so beweisen die späteren Gebäude und ihre Anordnung Hilflosigkeit, im schlimmen Fall Rücksichtslosigkeit dem Umfeld gegenüber. Der Platz franst Richtung Süden aus wie ein alter Teppich. Darüber hinaus ist der Löwenbräu-Bürokomplex, der fast unmittelbar an "Nymphe 3" anschließt ein öder, uninspirierter Riegel, der trauriger Weise auch noch das reizvolle, alte Industriegebäude von Max Littmann verdeckt. </P><P>So muss die "Bürolandschaft" vom Team Betz darauf hoffen, dass Besucher sie in dieser lieblosen Rumpelkammer für Baukörper überhaupt bemerken - und zu betreten wagen (Nachbarn versuchen jetzt schon, den Durchgang zu behindern). Denn erst dann kommen die diversen Spiegel- und Raumeffekte zum Tragen. </P>

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