Spiele der Erinnerung

- Ein kleines Wunder. Während die Kammerspiele ihr Publikum vielfach mit allzu bemühter Kunst-Kost abzuspeisen und das auch noch als "modern" zu verkaufen versuchen, hat sich in das Angebot der städtischen Bühne eine kostbare Rarität geschlichen. Hinter dem kryptischen Titel "Mnemonic" verbirgt sich das federleichte, gedankentiefe, nie eitel auftrumpfende, dafür aber assoziationsreiche Theater von Simon McBurney. Das Londoner Thé|3atre de Complicité ist leider nur noch an diesem Samstag zu sehen - um 17 und 21 Uhr im Neuen Haus. Wer erfahren will, wie hervorragend das nicht-repräsentative Theater sein kann, darf sich dieses Gastspiel nicht entgehen lassen.

Die Truppe ist nicht unbekannt in München. Sie war hier mit "The Street of Crocodiles" (nach den "Zimtläden" von Bruno Schulz) und "The three Lives of Lucie Cabrol". Wer sie gesehen hat, wusste bereits um die hohe Qualität dieser Schauspieler. In "Mnemonic", einer Salzburger Festspielproduktion von 1999, verführt ein hinreißend witziger Entertainer die Zuschauer zu einer Zeitreise in die Vergangenheit - mit Zwischenaufenthalt bei Mumie Ötzi.<BR>Aber man begibt sich dabei nicht nur auf Spurensuche des Eismenschen, sondern es geraten auch die Darsteller selbst in den Strudel der Erinnerungen. Dabei spielt die Liebesbeziehung von Vergil und seiner Freundin Alice eine wesentliche Rolle. McBurney, der Autor, Regisseur und Hauptdarsteller zugleich ist, hat auf wundersame Weise die Parallelität der Ereignisse in Szene gesetzt. Er hat die reale Zeit ausgeschaltet. Und seine Figuren fallen, rollen, gleiten mühelos durch Länder, Züge und Jahrhunderte. Dabei entstehen Bilder von zauberischer Einfachheit, poetischer Kraft, mitreißender Ästhetik und Perfektion.<BR><BR clear=all><BR clear=all>

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